Effizient und kostengünstig - Werbung im Internet (3/4)

Im Jahr 2012 werden in Deutschland weit über 6 Milliarden Euro für Werbung im Internet ausgegeben – es wird vermutlich etwas mehr sein, als der deutsche Gesamtkonsum von Bio-Lebensmittel im selben Zeitraum. Gleichzeitig gilt Online-Marketing als „kostengünstig“ – Wie passt das zusammen? Und ergibt sich daraus vielleicht auch eine Chance für den Naturkostfachhandel?

 

In der Masse individuell - Ein Widerspruch?

Werbung: Stechen Sie heraus?
Werbung: Stechen Sie heraus?

Im zweiten Beitrag zum Thema „Werbung im Internet“ habe ich beschrieben, dass sich die Kommunikation in sozialen Netzwerken von traditioneller Werbung unterscheidet: Es geht um einen transparenten Dialog mit den Kunden und nicht primär um das Platzieren von Werbebotschaften. Doch wer sich bei Facebook einloggt, wird schnell feststellen, dass es dort von Werbung nur so wimmelt! Gleichzeitig gilt Online-Marketing als vergleichsweise kostengünstiger Werbekanal im Marketing-Mix. Wie passen diese Aspekte zusammen?! Massenweise Anzeigenwerbung auf einer sozialen Dialogplattform als „effiziente“ Marketingkampagne? Nun, im Prinzip liegt die Antwort direkt im eigentlichen Geschäftsmodell von Google, Facebook und Co: Die sammeln nämlich fleißig die Daten von ihren Nutzern. Die Frage ist jetzt, wie der Naturkostfachhandel davon profitieren kann:


Online-Marketing als "persönlicher Service"

Ein Unternehmen wie Facebook oder Google kennt seine Nutzer besser als diese es sich oft wünschen: Jede Suchanfrage, jedes „Like“ und jede Nachricht werden individuell gespeichert und dem jeweiligen Account hinzugefügt. So ergibt sich relativ schnell ein umfangreiches Profil des Nutzers, dass nicht nur Namen und Adresse, sondern auch dessen Hobbys, bevorzugte Marken und sein soziales Umfeld abilden kann. In der Folge kann Facebook (oder auch Google) gebuchte Werbung unglaublich gezielt steuern: So erhält jeder Nutzer genau jene Werbeanzeigen dargestellt, die zu ihm passen. Die in anderen Medien übliche Streuverluste werden dadurch minimiert, zum Beispiel wird die neue Anzeige für Mercedes S-Klasse vielleicht ausschließlich männlichen Profilen angezeigt, während die Werbung für Gesichtscreme sinnigerweise eher bei weiblichen Nutzern auftauchen wird. Doch das ist erst der Anfang...

Modern: Eine App des BMELV zum Kampf gegen Lebensmittelverschwendung
Modern: Eine App des BMELV zum Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Da auch regionale Abgrenzungen möglich sind, eröffnet sich im Zeitalter von Facebook und Smartphone faszinierende Möglichkeiten für den Einzelhandel:

...Stellen Sie sich vor, sie könnten jedem Kunden beim Betreten ihres Ladens einen Handzettel mit seinem Namen in die Hand drücken, auf dem exakt die Produkte beworben werden die seinen Geschmack auch treffen! Stellen Sie sich vor, Sie können ihm zu Weihnachten genau die Neuheit im Sortiment zeigen, die sein Lebenspartner zum Fest sicher gerne probieren würde! Und stellen Sie sich vor, der Geschäftsreisende, der nach einem Termin in der Nähe soeben die Nachricht „ich bin hungrig“ an seine Freunde getwittert hat, erhält umgehend Ihre Bistro-Speisekarte und Adresse angezeigt…

Auch wenn diese Beispiele etwas konstruiert erscheinen, ich denke die Idee dahinter wird klar! Je besser ich meine Kunden und meine (potentielle) Zielgruppe kenne, desto besser kann ich diese auch mit einer persönlichen Ansprache erreichen. Ich kenne die Bedürfnisse und was Ihnen wichtig ist. Hier liegt „online“ noch viel ungenutztes Potential das der inhabergeführte Fachhandel unbedingt für sich nutzen sollte!

Wie bedeutend die Wirkung ist, wenn man seine Kunden kennt, merkt man in der täglichen Arbeit: Den Kunden im Geschäft mit Namen begrüßen oder ihm den richtigen Wein empfehlen zu können, bringt mir als Händler Sympathie und somit einen wesentlichen Vorteil gegenüber der anonymen Konkurrenz. Warten Sie also nicht ab, bis eine der großen Bio-Filialisten die erste „Bio-App“ rausbringt, die oben erwähnte Funktionen automatisch generiert! Nutzen Sie den Vorteil, dass Sie ihre Kunden schon kennen, und bauen Sie darauf auf.

 

Denn die Bio-Käufer von morgen sind alle im Internet unterwegs...

– vermutlich heute schon!


Simon Döring Online-Marketing
Simon Döring

Im vierten und letzten Beitrag dieser Einstiegsreihe wird anhand eines Fallbeispiels gezeigt, wie die konkrete

 

Umsetzung einer individuellen Online-Marketing-Strategie

 

aussehen könnte, und sich die Wertschöpfung in der Folge auch tatsächlich spürbar verbessern kann...

Lesen Sie die gesamte Beitrags-Reihe "Werbung im Internet"

und beginnen mit Teil 1:

Ist Online-Marketing heute notwendig?