Bio-Fachhandel im Wandel: Bio-Supermärkte

Branchenentwicklung Bio-Supermarkt

Der Supermarkt feiert sein 100-jähriges Jubiläum! 1915 eröffneten die ersten kleinen „Selbstbedienungs-Märkte" in den USA. Dieses Bild hat sich mit den Jahren  gewandelt: Heute haben die konventionellen  Supermärkte in Deutschland eine durchschnittliche Verkaufsfläche von 800 Quadratmeter. Auch Biomärkte werden immer größer...


Bioladen oder Biomarkt?

Seit knapp fünfzig Jahren gibt es Bioläden in Deutschland. In der Anfangsphase unterstützen die Kunden die Ziele des Bioladens sowohl ideologisch als auch durch aktive Mitarbeit, etwa beim Abpacken von Produkten oder bei Umbauten in den Verkaufsräumen. Die Besitzer wiederum führten häufig eine offene Kalkulation und machten keine nennenswerten Gewinne. Die zunehmende Professionalisierung der Bioläden führte in den 90er-Jahren endgültig zu einer Neupositionierung: Immer weniger Bioläden blieben dem "Szene-Image" der 1970er verpflichtet, die meisten verstanden und verstehen sich seitdem als beratungsstarke Fachgeschäfte für ökologisch erzeugte Produkte. Mit dieser Entwicklung entstanden auch die ersten Biosupermärkte. Die Gesamtzahl der Bioläden und Biomärkte in Deutschland liegt aktuell bei ca. 2.500; sie hat sich im Verlauf der letzten Jahre kaum verändert. Auffällig sind allerdings strukturelle Veränderungen, die von Jahr zu Jahr mit steigender Intensität erfolgen: Systematisch schließen kleine Läden, und großflächige Biosupermärkte werden neu eröffnet. In der Zwischenzeit gibt es etwa 500 Biosupermärkte in Deutschland, die aufgrund zunehmender Filialisierung immer stärker von regionalen und überregionalen Ketten betrieben werden.


Zahlen und Fakten aus dem ContRate-Betriebsvergleich

Die Endauswertungen unseres Betriebsvergleich für den Naturkosthandel ermöglichen uns, fundierte Aussagen über Trends und deren Struktur, über Rentabilität und Sortimentsentwicklung auch bei inhabergeführten Biosupermärkten zu treffen: Die durchweg großflächigen und SB-orientierten Standorte von Biosupermärkten mit einer Verkaufsfläche von durchschnittlich 491 Quadratmeter generieren einen Jahresumsatz von etwa 2,41 Millionen Euro, was einem Wachstum von knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr für die Teilnehmer am Betriebsvergleich entspricht. Ein positives Signal für die Wirtschaftlichkeit des Naturkostfachhandels ist, dass die realisierte (Netto-) Handelsspanne (als Differenz aus Umsatz und Wareneinsatz) bei den Biosupermärkten in 2014 auf 34,5 Prozent gesteigert werden kann. Die Handelsspanne ist das Maß für den Anteil des Rohertrags am Umsatz, der dem Händler nach Abzug des Wareneinsatzes bleibt, um seine Handlungs­kosten zu decken (und Gewinn zu erzielen). Vor zehn Jahren, also im Jahr 2004 lag die Handelsspanne bei den Biosuper­märkten bei 32,7 Prozent.

Bio-Supermärkte wirtschaftlich erfolgreich

Die Personalkosten liegen bei den Biosupermärkten bei 16,5 Prozent die Raumkosten bei fünf Prozent. Die Gesamtkosten sind in 2014 bei den Biosupermärkten schwächer gestiegen als die Umsätze, damit konnte die durch­schnittliche Gesamtkostenbelastung gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert werden (bei 28,2 Prozent). Zum Vergleich: Im Jahr 2004 lag der Gesamtkostenanteil bei diesem Geschäftstyp bei 24,7 Prozent, und die Raumkosten hatten einen Anteil von 4,6 Prozent. 

Diese Entwicklungen von Umsatz, Spanne und Kosten haben zur Folge, dass die Teilnehmer des Branchen- ContRate_B© Betriebsvergleichs vom Geschäftstyp Biosupermarkt 2014 ihr Betriebsergebnis um elf Prozent steigern und damit umsatzanteilig ein Ergebnis von 6,4 Prozent erzielen.


Veränderungen sind Herausforderung für den Fachhandel

Der Naturkosteinzelhandel durchläuft aktuell einen strukturellen Wandel: Die anhaltende Markentwicklung, welche sich beispielsweise in weiterer Expansion der Filialisten in den vergangenen (und nächsten) Jahren zeigt, zwingt immer mehr unabhängige Fachhändler zu einer Reaktion. Während die kleinen und umsatzschwachen Naturkostläden oft der „Rückzug“ in spezialisierte Nischen eine bescheidene Existenzberechtigung sichert, gehen immer mehr Händler aus dem Umsatz-Mittelfeld einen anderen Weg, indem sie auf größere Flächen umziehen und/oder in zusätzliche Verkaufsstellen investieren. Zum einen versuchen sie so, das Potential des jeweiligen Einzugsgebiets möglichst komplett auszuschöpfen, zum anderen besetzen sie zusätzlich attraktive Standorte in der Erwartung, sich so gegen finanz­kräftige Filialisten positionieren zu können. In der Folge entstehen zunehmend inhabergeführte Handelsunternehmen, die mit mehr als einer Verkaufsstelle am Markt vertreten sind.

Es stellt sich angesichts der aktuellen Herausforderungen im Fachhandel die Frage, ob und wie die konstant hohen Wachstumsraten wie im vergangenen Jahrzehnt auch in den nächsten Jahren erreicht werden können: Die Branche steht vor einer entscheidenden Phase - und sollte sich bewusst sein, dass die Erfolgsgeschichte der Vergangenheit schnell beendet sein kann, wenn sie es verpasst, die Zukunft rechtzeitig zu planen!


Eine Teilnahme am ContRate_B© Betriebsvergleich als Einzelhändler ist grundsätzlich jederzeit möglich. Den Teilnahmebogen und die Vereinbarung zur Datenverarbeitung sowie Datenschutz schicken wir Ihnen gerne zu. Eine kurze Nachricht per eMail, Fax oder als Anruf genügt - Sprechen Sie uns an.

Karin Lösch