Effektives Online-Marketing im Bioladen

Auch im Naturkostfachhandel nimmt die Bedeutung des Online-Kanals in der Kundenkommunikation spürbar zu. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Bioladen die unterschiedlichen Werkzeuge am besten kombiniert, um die eigenen Stärken zeitgemäß zu kommunizieren. Gefragt sind individuelle Konzepte, um die begrenzten Ressourcen möglichst effizient einzusetzen...


Biofach-Vortrag: "Facebook-Ads" in der Praxis

Das Internet ist heute eine große Spielwiese für Markting-Experten: Es gibt eine scheinbar unendliche Vielzahl an neuen Instrumenten, die es ermöglichen, den Verbraucher möglichst modern, persönlich und nachhaltig anzusprechen. Auch wenn es gerade für den inhabergeführten Fachhandel durchaus interessant sein kann, auch mal innovative Ansätze wie beispielsweise eine eigene App, elektronische Coupons oder Augmented Reality als Alleinstellungsmerkmal zu etablieren, sind nach meiner Erfahrung in der Praxis nur wenige Werkzeuge wirklich relevant:

Neben der eigenen Webseite (einer reduzierten Form eines Blogs für aktuelle Nachrichten) arbeiten Bioläden vor allem mit Newsletter und Facebook. Im Einzelfall mag auch das Einbinden von Twitter oder Instagram sinnvoll sein, in meinen Augen führt im Bereich Social Media aufgrund der dominierenden Reichweite (etwa 30 Millionen deutsche Nutzer) am Lebenswerk von Mark Zuckerberg derzeit noch kein Weg vorbei. So ist also schnell eine Vorauswahl getroffen, doch auch der notwendige Aufwand für die aktive Betreuung von diesen wenigen Werkzeugen ist für kleine Unternehmen eine Herausforderung. Umso wichtiger ist es, die richtigen Prioritäten zu setzen! Zu diesem Thema habe ich auf der Biofach in diesem Jahr einen kurzen Vortrag gehalten, wie man am Beispiel von Facebook-Anzeigen auch mit kleinen Werbe-Budgets größtmögliche Effekte erzielen kann. Die Veranstaltung war gut besucht, und aufgrund des Feedbacks in Nürnberg möchte ich die wichtigsten Punkte aus der Veranstaltung nun hier im Blog und Newsletter vorstellen.

Ausgangspunkt: Ein passendes Konzept

Ich kann es nicht oft genug sagen: Bevor man mit einem Schnellschuss mit Facebook oder einem Newsletter loslegt ist es sehr hilfreich, sich ein paar grundlegende Gedanken zu machen. Es erleichtert zukünftige Entscheidungen und klare Aktionen ungemein, wenn Themen wie das eigene Alleinstellungsmerkmal und die eigene Zielgruppe sauber erarbeitet und definiert worden sind. Dieser Konzeptionsprozess kann durchaus 1-2 Beratertage in Anspruch nehmen, im weiteren Verlauf spart man aber sehr viel Arbeit und kann Werbeausgaben zielführend steuern.

Erst nachdem ich mir überlegt habe, was und wen ich mit meinen Aktivitäten im Online-Marketing überhaupt erreichen will (Stichwort: Zielsetzung) habe ich eine Grundlage um zu entscheiden, welche Werkzeuge ich am besten einsetze. Dabei gilt wie so oft die Devise "weniger ist mehr" - lieber verzichte ich beispielsweise auf einen monatlichen Newsletter und konzentriere mich auf Facebook, anstatt beide Kanäle in Zukunft nur "stiefmütterlich" zu betreuen und die ohnehin  begrenzten Ressourcen auch noch zu verteilen.

Spezielle Zielgruppen mit Facebook effektiv ansprechen

Damit der aufgebrachte Zeitaufwand für die eigene Facebook-Seite auch die gewünschten Effekte erzielt, empfehle ich zwingend den Einsatz von kostenpflichtig geschalteten Anzeigen, die sogenannten "Facebook-Ads". Schon mit vergleichsweise kleinen Budgets lassen sich tolle Reichweiten erzielen: Der Vorteil ist, dass ich die Zielgruppe, bei der ein Posting erscheinen wird, sehr genau definieren kann. Neben offensichtlichen demographischen Einschränkungen (Alter, Geschlecht, Wohnort) lassen sich bei Facebook auch Menschen mit bestimmten Interessen ansprechen. So ist es beispielsweise möglich, eine Verkostung gezielt bei jungen Vegetariern oder eine Kosmetik-Aktion bei schminkaffinen Frauen zu bewerben. Eine optimale Steuerung bedarf einer gewissen Vorbereitung (Zielgruppendefinitionen, persönliche Texte, passende Bilddateien, etc.) und Kenntnis der technischen Möglichkeiten, im Ergebnis lassen sich mit einem festen Budget aber deutlich bessere Reichweiten realisieren als in anderen (traditionellen) Werbemedien.

Aus der Praxis: Werbung für Aromatherapie-Vortrag

Verkostungen, Vorträge und andere Aktionen eignen sich dazu, auch neue Zielgruppen anzusprechen. Im konkreten Beispiel ging es um einen Vortrag zum Thema "Aromatherapie" in einem Biomarkt im Raum Karlsruhe. Die Idee: Über ein solches Angebot können auch Menschen, die bisher nicht im Naturkostfachhandel einkaufen, erstmalig in den Laden gelockt werden. Eine der erarbeiteten  Zielgruppen, die sich für die Veranstaltung zur Aromatherapie interessieren, aber bisher keine Bio-Kunden sind, wären beispielsweise Menschen die sich für Yoga, Meditation und Esoterik begeistern. Entsprechend würde das Bild und der Text des Postings gestaltet (siehe Beispiel rechts) und an eine fest definierte Zielgruppe ausgespielt:

  • Frauen, zwischen 30 und 65 Jahre alt.
  • Umkreis: 15 Kilometer vom Standort des Ladengeschäfts
  • Interessen: Yoga und Esoterik
  • Ausgeschlossen: Eigene Fans und Besucher der Webseite

Für die hier skizzierte Zielgruppe gibt Facebook eine Potential von 26.000 Nutzern aus. Im letzten Schritt muss nun ein individuelles Budget freigegeben werden, welches dann über die tatsächliche Reichweite entscheidet. Die effektiven Kosten können dann je nach Zielgruppe, Werbeziel und Zeitpunkt der Anzeige stark variieren - ein Durchschnittswert von etwa 10€ pro 1.000 Kontakte ist aber durchaus realistisch. Vergleicht man diese Kosten mit den Budgets, die man auch heute noch für Anzeigen im Printbereich bezahlen muss wird deutlich, warum Facebook-Ads für ein "Effektives Online-Marketing" eigentlich unverzichtbar sind. Und auch in der Auswertung überzeugt Facebook mit Statistiken über die Ausspielung, Klickraten und Anmeldungen zur Veranstaltung.


Anzeigen bei Facebook zu schalten ist kein Hexenwerk, und schon mit geringen Geldeinsätzen lässt sich die Wirkung der eigenen Postings erheblich steigern. Ich empfehle aber auch, den Kanal ernst zu nehmen und mit entsprechenden Budgets auszustatten - je langfristiger und vielseitiger eine Kampagne gestaltet werden kann, desto besser die zu erwartenden Ergebnisse. Die Einsatzmöglichkeiten sind wirklich vielseitig, für individuelle Schulungen und Unterstützung stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung.

Und ich bin davon überzeugt, dass in den wenigsten Bioläden das Potential der Facebook-Anzeigen erkannt wurde. Das gilt es nun zu ändern. Effektiv. :)