Die Marktentwicklung im Naturkostfachhandel seit 2010

Umsatzbarometer aktuell: Naturkostfachhandel erzielt seit Jahren hohe Zuwächse auf bestehender Fläche. Mit einem fast zweistelligen Umsatzplus (9,4 Prozent) übertrifft die Wachstumsrate des Naturkostfachhandels 2015 die Inflationsrate (0,3 Prozent) um ein Vielfaches und zeigt die Stabilität eines „Wachstums aus eigener Kraft“ im inhabergeführten Naturkostfachhandel...


Seit dem Dioxinjahr 2011 können wir kontinuierlich über hohe Wachstumsraten im Naturkosteinzelhandel berichten. Im Jahr 2015 konnten die Bioläden und –märkte, die bereits in derselben Konstellation in 2014 bestanden (= flächenbereinigt), ihr Ergebnis aus dem Vorjahr (damaliges Plus neun Prozent) erneut um 9,4 Prozent steigern.  Seit über zehn Jahren erhalten wir zuverlässig und regelmäßig von über 300 Naturkostfachhandelsbetrieben die monatlichen Umsatzdaten für die Erstellung unseres Umsatzbarometers. Dafür möchten wir uns auch an dieser Stelle recht herzlichen bedanken. Unsere Quartals-Auswertungen (die regelmäßig im BioHandel veröffentlich werden) stellen flächenbereinigte betriebliche Entwicklungen auf Tagesumsatzbasis dar, dadurch können wir fundierte Aussagen über Wachstumsraten im inhabergeführten Naturkostfachhandel nach unterschiedlichen Kriterien treffen.

5-Jahres-Rückblick: Dioxinskandal und Bankenkrise

Erinnern wir uns: Von 2003 einschließlich 2007 erzielte der Naturkostfachhandel über mehrere Jahre hinweg überwiegend zweistellige Wachstumsraten. Das bedeutet, dass ein durchschnittliches Naturkost-Einzelhandelsgeschäft seine Umsätze über diese fünf Jahre um nahezu die Hälfte steigern konnte. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise konnte für 2008 lediglich eine geringe Umsatzsteigerung von einem Prozent vermeldet werden. In den Folgejahren konnten wir weiterhin über moderate Umsatzsteigerungen auf bestehender Fläche berichten. Der Dioxin-Skandal bei konventionell erzeugten Eiern wurde Ende 2010 publik und ließ reihenweise verunsicherte Verbraucher als Neukunden in den Bioläden und Biomärkten auftauchen. Das Ergebnis: In den ersten drei Monaten des Jahres 2011 Zuwächse von 12,6 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt hat das „Dioxin-Jahr“ 2011 eine durchschnittliche Steigerung von neun Prozent erzielt.

Bewertet man diese durch den Dioxinskandal ausgelösten hohen Zuwächse des Jahres 2011 als außergewöhnlichen Sondereffekt, so lässt sich die Gesamtentwicklung für die Jahre 2010 bis 2015 dennoch als solide Aufwärtstendenz beschreiben:

Im Jahr 2012 und auch im Folgejahr 2013 lagen die flächenbereinigten Zuwächse bei 4 bzw. 5,8 Prozent. Das Jahr 2014 beschert mit einem Zuwachs von insgesamt neun Prozent erneut einen Aufwärtstrend bei den Umsatzzuwächsen, der sich im Jahr 2015 mit 9,4 Prozent weiter fortsetzte. Somit realisierte der Naturkosteinzelhandel (flächenbereinigt) in den letzten fünf Jahren ein kumuliertes Umsatzplus von insgesamt 42,9 Prozent!

Umsatz oder Absatz: Vergleich mit der Inflationsrate

Die Höhe der Inflationsrate in Deutschland wird aus dem Verbraucherpreisindex berechnet, der monatlich vom Statistischen Bundesamt ermittelt wird. Dieser Verbraucherpreisindex gilt als ein Maß für die durchschnittliche Preisentwicklung der Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland in Anspruch nehmen. In dem Zeitraum von 2011 bis 2015 lag die kumulierte Inflationsrate bei sieben Prozent, was damit der Preisentwicklung für diesen ausgewählten Warenkorb entspricht. Für den Naturkostfachhandel lässt sich daraus schließen, dass das auffällig hohe Wachstum vor allem über Mengenzuwächse und nicht über Preissteigerungen entstanden ist. Die daraus resultierenden realen Umsatzzuwächse für den Naturkostfachhandel bestätigen die starke Stellung des BioFachhandels in der Vermarktung ökologischer Lebensmittel, was angesichts eines zunehmenden Bio-Angebots der LEH-Supermärkte und Discounter auch eine respektable händlerische Leistung darstellt:

 „Während der deutsche Lebensmittelfachhandel

unter heftigen Preiskämpfen und Konzentrationsbestrebungen zu leiden hat,

erzielen die Bioläden mit ihrem Angebotsschwerpunkt Biokost überdurchschnittliche Markterfolge.

 

Seit etlichen Jahren steigt der Umsatz stetig und wird das nach Prognosen auch weiterhin tun.

Das Angebot alternativ erzeugter Lebensmittel wird in letzter Zeit ständig ergänzt,

reicht jedoch regional häufig noch nicht aus.

 

Immer mehr Verbraucher sind bereit, überdurchschnittliche Preise für solche Produkte zu bezahlen.“

 

Dieses Zitat ist aus dem Jahr 1989 es erschien im Branchenbrief der Volks- und Raiffeisenbanken, und hat durchaus eine "visionäre Komponente": Immerhin ist es fast 30 Jahre alt, fasst aber auch die Entwicklung der letzten fünf Jahre aus unserer Sicht ziemlich gut zusammen. Wir sind gespannt, wie sich die Branche wohl in fünf, zehn oder zwanzig Jahren darstellen wird und ob der Bio-Fachhandel weiterhin eine „Vorreiter-Rolle“ einnehmen kann. Dazu wird es aber auch neuer Antworten auf die aktuellen Herausforderungen bedürfen.


Wir verstehen uns als Partner der Einzelhändler bei strategischen Überlegungen und der Entwicklung von Ideen, wie der eigene Betrieb "fit für die Zukunft" gemacht werden kann. Die Teilnahme am Umsatzbarometer ist für Einzelhändler kostenfrei. Den Teilnahmebogen und die Vereinbarung zur Datenverarbeitung sowie Datenschutz schicken wir Ihnen gerne zu. Eine kurze Nachricht per eMail, Fax oder als Anruf genügt - Sprechen Sie uns an!

Karin Lösch