Betriebsvergleich 2015: Personalkosten und Mindestlohn

Seit Anfang 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn. Auch im Naturkosteinzelhandel wurde gerade für Aushilfen in strukturschwachen Regionen in einigen Fällen vorher noch weniger bezahlt. An den aktuellen Ergebnissen des Betriebsvergleichs lässt sich ablesen, wie sich die Personalkosten und -strukturen in den letzten Jahren verändert haben...


Um im Ladenalltag flexibel reagieren zu können, ist der Einsatz von Aushilfen in Bioläden eine wichtige Stütze in der Personalplanung. Dabei handelt es sich oft um Schüler und Studenten, die den Angestellten auch ohne fachspezifische Qualifikation beispielsweise beim Verräumen von Ware oder an der Kasse eine wichtige Unterstützung sein können. Je nach Region und Größe des Ladens schwankte die Bezahlung dieser Kräfte vor dem Jahr 2015 deutschlandweit immer noch sehr stark zwischen 5 und 10 Euro. Mit der Einführung des Mindeslohns von 8,50€ standen gerade kleine Läden vor der Herausforderung, die eigene Personalstruktur neu organisiseren zu müssen: Wer sich bisher sozialversicherungsfrei 450 Euro im Monat hinzuverdient hat, bekommt seit 2015 zwar nicht zwingend mehr Geld - er muss für denselben Betrag im Zweifelsfall aber weniger arbeiten als bislang! Es bestand also Handlungsbedarf, der sich inzwischen auch in den Kosten- und Personalkennziffern erkennbar wiederspiegelt.

Personalkosten sind im Verhältnis zum Umsatz deutlich gestiegen

Im Jahr 2005 hatte der Personalkostenanteil noch bei 14,1 Prozent gelegen. Ein durchschnittlicher Betrieb beschäftigte damals 7,3 (rechnerische) Vollzeit-Arbeitskräft und der Jahresumsatz (netto) pro Arbeitskraft lag bei knapp 140.000 Euro. Der Anteil der Wochenstunden von "Minijobbern" zu Angestellten lag bei 14 Prozent, was bedeutet, das jeder siebte Mitarbeiter eine Aushilfskraft war.

Die jetzt aktuell vorliegende Zwischenauswertung vom ContRate-Betriebsvergleich zeigt für das Jahr 2015, dass die teilnehmenden Betriebe heute durchschnittlich etwa elf Arbeitskräfte beschäftigen. Die Wochenstundenzahl der  sozialversicherungspflichtigen festangestellten Mitarbeiter und deren Bezahlung haben sich gegenüber 2014 um rund zehn Prozent erhöht. Das Verhältnis der Wochen-stunden der Minijobber zu den Angestellten liegt heute bei knapp 9 Prozent. Insgesamt steigen die Personalkosten zum Vorjahr und liegen zwischenzeitlich bei 17 Prozent umsatzanteilig. Die jährliche (Netto-) Umsatzleistung pro (rechnerische) Vollzeitkraft liegt bei rund 158.000 Euro.

Faire Bezahlung als Teil des Selbstverständnisses?

Auch im Naturkosthandel mussten sich bei der Einführung des Mindestlohns einige Unternehmer fragen, ob und wie sie die zusätzlichen Kosten in Zukunft stemmen können. Doch nach einer kurzen Phase der Unsicherheit wurde klar, dass es gerade in dieser wertorientierten Branche kein Problem darstellen darf, die dort arbeitenden Menschen auch fair zu bezahlen! (Nur weil einige Mitarbeiter - aber auch Unternehmer - von den Idealen und dem Sinn ihres Jobs so überzeugt sind, dass sie für 5€ und weniger die Stunde gearbeitet haben, macht das diesen "Zustand der Selbstausbeutung" auch nicht "nachhaltiger" und "sinnstiftend"!) In vielen Fällen sorgte der Mindestlohn folglich einfach dafür, dass langjährige Aushilfen nun als Teilzeitkraft fest ins Team übernommen wurden. Tatsächlich hatte die Umwandlung von Minijobs in reguläre Stellen auch für die Unternehmen einen Vorteil: Sie müssen weniger Abgaben entrichten! Bei einem Minijob zahlt der Arbeitgeber rund 30 Prozent Sozialbeiträge, der Beschäftigte nur knapp 4 Prozent. Bei einer voll sozialversicherungspflichtigen Stelle beträgt der Arbeitgeber-Anteil nur rund 20 Prozent, etwa den gleichen Beitrag müssen Beschäftigte von ihrem Bruttogehalt an die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung abführen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bindung an das Unternehmen durch eine höhere Präsenz im Laden bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen nimmt zu.


Analyse im eigenen Betrieb: Jetzt am Betriebsvergleich teilnehmen!

Die Personalstrukturen und -kosten sind eine der entscheidenden Stellgrößen in der Führung eines Bioladens. Auch die richtige Zusammensetzung von Aushilfen und Angestellten, sowie die angemessene Bezahlung der Mitarbeiter gehören zu den wesentlich Erfolgsfaktoren im Einzelhandel. Es bedarf ständiger Anpassung und Kontrolle, um auf Veränderungen flexibel reagieren zu können. Als Naturkosthändler kennt man den eigenen Betrieb dabei in der Regel ziemlich gut und hat ein klares Bild von der eigenen Leistung. Doch manchmal trübt die Hektik im Tagesgeschäft und das eigene subjektive Empfinden die Wahrnehmung: Manche negative Entwicklung wird erst spät wahrgenommen, und die Ursache ist dann oft kaum mehr festzustellen. Und auch manch einen Branchentrend erkennt man erst sehr spät, zufällig oder auch gar nicht!

 

Ein Blick in den Spiegel und über den Tellerrand hinaus sollte für jeden Unternehmer regelmäßige Übung sein.  Nehmen Sie dazu an unserem Branchen-Betriebsvergleichs ContRate© teil, er umfasst neben einer umfassenden Einzel- und Gesamtauswertung (mit jeweils ca. 100 verschiedenen Kennzahlen) auch ausführliche Vergleiche mit Betrieben mit ähnlicher Struktur / Fläche und Umsatzgröße.  Als Teilnehmer erhalten Sie detaillierte Kennziffern Ihres eigenen Unternehmens und die Kennzahlen Ihrer Vergleichsgruppen. Zusätzlich bekommen Sie eine umfassende Auswertung der gesamten Naturkost-Branche. Die Ergebnisse werden in einer ausführlichen Mappe mit Graphiken und Tabellen verständlich dargestellt.


Eine Teilnahme am ContRate_B© Betriebsvergleich als Einzelhändler ist grundsätzlich jederzeit möglich und kostet zum Einstieg nur 200€. Den Teilnahmebogen und die Vereinbarung zur Datenverarbeitung sowie Datenschutz schicken wir Ihnen gerne zu. Eine kurze Nachricht per eMail, Fax oder als Anruf genügt - bei Fragen zum Ablauf oder den verschiedenen Kennzahlen sprechen Sie uns einfach an.