Mal Pause machen - und Wichtigem den Vorrang geben...

Bio-Branche - Trends

Der Sommer nimmt langsam an Fahrt auf, und erinnert daran, dass das Jahr 2016 nun schon zu Hälfte hinter uns liegt. Für viele beginnt jetzt die Urlaubszeit. Das schafft vielleicht Räume, mal wieder mit etwas Abstand vom Alltag über den Tellerrand hinaus zu blicken und sich mit grundsätzlichen und strategischen Themen zu beschäftigen. Mit diesem Beitrag möchten wir ein paar Gedankenanstöße für ruhigere Minuten liefern...


"Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche - und plötzlich schaffst du das Unmögliche."

(Franz von Assisi)


Das erste Halbjahr von 2016 ist geschafft. Für viele Kunden und Mitarbeiter, aber auch für manche Unternehmer bedeutet das den Beginn von Ferien- und Urlaubszeit - und damit vor allem auch eine (wohl-)verdiente Erholungszeit! Es ist jedem Händler die Gelegenheit zu wünschen, sich selbst mal aus dem Ladneralltag rauszunehmen und mit anderen Dingen zu beschäftigen. Abzuschalten, neue Kraft zu tanken, ein spannendes Buch zu lesen oder sich eine Auszeit am Strand oder Meer oder auf dem Berg zu nehmen. Vielleicht findet sich ja auch Zeit, die vielen gestapelten Zeitschriften und Zeitungen zu lesen und zu entsorgen...

Die Ruhe sinnvoll nutzen

Umsatz und Marktentwicklung

Sich immer wieder eine Pause zu gönnen ist absolut "notwendig". Aber gerade im Einzelhandel haben Inhaber und Unternehmer aufgrund der Sechstagewoche und des lukrativen Geschäfts rund um Feiertage wie beispielsweise Weihnachten oder Ostern nur wenig Gelegenheit, die Füße auch mal wirklich hoch zu legen. Also gönnen Sie sich zumindest im Sommer ein paar freie Tage, in welchen Sie sich nicht mit Kalkulation, Personalplänen oder Bankgesprächen beschäftigen. Eine solche bewusste Auszeit kann (und sollte) aber auch dazu genutzt werden, den Alltag und die Vergangenheit zu reflektieren und so auch die ein oder andere Entscheidung zu überprüfen. Gerade strategische Entscheidungen und Weichenstellungen sollten mit der notwendigen Ruhe und Gelassenheit getroffen werden. Falls es Ihnen "möglich" ist, empfehlen wir den Akteuren im Naturkosthandel eine eigene Bestandsaufnahme zu machen und dabei die aktuelle Marktentwicklung mit einzubeziehen. Nur wer seine jetzige Situation kennt und sich mit der Zukunft auseinandersetzt bleibt nachhaltig wettbewerbsfähig. Die Bio-Branche ist schon immer sehr dynamisch, aber wenn man sich die Umsätze der letzten Jahre anschaut, gab es eigentlich immer nur eine Richtung: Wachstum! In den letzten Monaten scheint sich der Wind nun aber langsam zu drehen und man spürt vielerorts eine aufkommende Unruhe. Manche Entwicklungen scheinen die Branche ohne Vorwarnung zu überraschen, und Dinge, die noch vor kurzem als "unmöglich" galten, werden plötzlich vorstellbar! Vielleicht ist es ja gerade diese gefühlte Umbruch, über den es in den Sommermonaten nachzudenken lohnt....


Eine Branche im Umbruch: Aktuelle Entwicklungen

Noch steht der Naturkostfachhandel wirtschaftlich gut da! Das lässt sich auch aus den Ergebnissen bei der Endauswertung des ContRate-Betriebsvergleichs für das Jahr 2015 ablesen. Die Bioläden und Biomärkte behaupten ihre Marktposition (noch) durch die spezielle, oft hochwertige Einkaufsatmosphäre, ihren Sortimentsreichtum mit hohem Frischeanteil und zeitgemäßer Warenpräsentation und nicht zuletzt durch fachkundiges Verkaufspersonal mit hoher Beratungskompetenz. Die realisierte Handelsspanne wurde in 2015 erneut leicht verbessert. Dies führt in Verbindung mit einer stabilen Kostenentwicklung trotz höheren Personalkosten zu einem durchschnittlichen Betriebsergebnis von rund sechs Prozent des Jahresumsatzes.

BioBlog - Bioladen-Strategien für die Zukunft
Das Selbstverständnis des Fachhandels an der Wand? Ein Schriftzug, gefunden an der Wand eines inhabergeführten Bioladens in Frankfurt.

Jedoch läuft die Branche Gefahr, auf diesem langen Erfolgs- und Professionalisierungsweg ihre Vorreiterrolle zu verlieren. Es stellt sich angesichts der aktuellen diskutierten Herausforderungen (zum Beispiel "unsere Marken" bei dm oder Edeka) duchaus auch die Frage, ob und wie die konstant hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre auch in nächster Zeit im Fachhandel erreicht werden können:

Die Branche steht vor entscheidenden Weichenstellungen und sollte sich bewusst sein, dass es keinen Anspruch darauf gibt, eine Erfolgsgeschichte aus der Vergangenheit unendlich weiter in die Zukunft schreiben zu dürfen. In einem freien Markt verpasst man leider auch schnell den Anschluss, wenn man es versäumt, die Zukunft rechtzeitig zu planen! Das gilt es zu verhindern.

Fachhandelstreue Hersteller oder eigener Pioniergeist?

Daher wird es auch für den inhabergeführten Fachhandel immer wichtiger, ein eigenes, individuelles Profil zu entwickeln und zu schärfen. Gerade im Naturkost-Einzelhandel verschiebt sich der Wettbewerb derzeit immer stärker von einem konkurrierenden System unterschiedlicher inhabergeführter Betriebe zu einem Strukturwettbewerb, in dem filialisierte Systeme einen rasant größer werdenden Teil des Marktes an sich reißen. Ob hierbei die Diskussion über exklusive "Fachhandelsmarken" (die dann ja aber vermutlich auch im Filialhandel stehen werden!) wirklich den Kern der Herausforderung für inhabergeführte Einzelgeschäfte trifft ist zumindest fragwürdig.

Ja, es ist natürlich richtig: Dass immer mehr Hersteller ihre Produkte auch über konventionelle Vertreibsstrukturen vermarkten, ist kritisch zu beobachten und bringt sicherlich Probleme für den Fachhandel mit sich. Aber das eigene Geschäftsmodell in vollkommener Abhängigkeit von strategischen Entscheidungen anderer Akteure am Markt zu definieren ist in jedem Fall zu kurz gedacht, und hat mit der immer wieder zitierten "Vorreiterrolle" nicht wirklich etwas zu zun! Vielleicht braucht es wieder eine (neue) Pionier-Generation von Händlern, die mit Mut und Unternehmergeist wirklich eigene, und dadurch einzigartige Konzepte für begeisternde Einkaufserlebnisse für biointeressierten Verbraucher entwickeln. Die Bereitschaft, das eigenen Geschäftsmodell neu zu denken und auch größere Veränderungen in Angriff zu nehmen scheint bei einigen etablierten Händlern der Branche leider nicht besonders hoch zu sein. Immerhin werden inzwischen auch grundsätzliche Fragen wieder öffentlich diskutiert...

 

In jedem Fall macht es jetzt Sinn, die (eigene) Situation im aktuell wieder sehr lebendigen Naturkostfachhandel mit möglichst wenig Emotionen und mit ein bisschen Abstand zu betrachten. Da kommt der Sommer doch vielleicht gerade recht!


Strategie und Profil im bioladen

Mit diesen Gedanken verabschieden wir uns in die Sommerpause. Denn wir, die Kommunikationsberatung Klaus Braun, werden uns in jedem Fall eine Pause gönnen und haben für die Zeit vom 25.07. - 15.08. eine "bürofreie Zeit" beschlossen.

Wir wünschen allen Händlern, Herstellern und anderen Akteuren der Branche ein paar schöne, erholsame und natürlich umsatzstarke Sommermonate!

Klaus, Karin und Simon