Bio-Fachhandel 2016: Umsatzdelle oder Trendwende?

Bio-Branche in der Krise?

Nach den aktuellen Auswertungen aus dem Umsatzbarometer erzielt der Naturkostfachhandel in den ersten sechs Monaten von 2016 einen Tagesumsatzplus von insgesamt 2,2 Prozent. Nachdem die Branche in den vergangenen Jahrzehnten lange auch zweistellige Wachstumsraten gewohnt war, stellt sich bei vielen Akteuren jetzt die Frage, was dieser vermeintliche "Wachstumseinbruch" denn mittelfristig zu bedeuten hat...


Seit dem vierten Quartal 2015 beobachten wir ein stagnieren des Tagesumsatzwachstum. Für das Gesamtjahr 2015 konnten wir noch über einen Tagesumsatzzuwachs von 9,4 Prozent berichten. Das Jahr 2016 zeigt ein anderes Bild, die Naturkostbranche ist in Bewegung und im Umbruch: Für das erste Quartal 2016 erzielten die Hofläden, Bioläden und Biosupermärkte (flächen­bereinigt), einen Tagesumsatzzuwachs von 4,2 Prozent. Im zweiten Quartal gingen die minimal um 0,1 Prozent zurück. Erstmalig seit sieben Jahren zeigt damit der Naturkostfachhandel keinen Quartalszuwachs.


Willkommen in der Realität

Bioläden mit guten Umsätzen

Der Naturkosteinzelhandel durchläuft aktuell einen strukturellen Wandel: Die anhaltende Marktentwicklung, welche sich beispielsweise in anhaltender Expansion der Filialisten zeigt, zwingt immer mehr unabhängige Fachhändler zu einer Reaktion. Der trad. LEH (Lebensmitteleinzelhandel) hat Themen wie Natürlichkeit, ökologische Lebensmittel, Regionalität oder auch die vegane Ernährung, die lange Zeit vorrangig in der BioBranche zu finden waren für sich entdeckt und inszeniert sie aufmerksamkeitsstark mit vielen Emotionen und hohen Werbeausgaben. Die Folgen zeigen sich nun auch immer deutlichen in den Umsatzzahlen: Das Wachstum im Fachhandel über alle Geschäftsgrößen liegt in diesem Jahr lediglich bei 2,2 Prozent.

Hofläden weiter auf dem Vormarsch

Der Naturkostfachhandel stellt sich wegen der hohen Anzahl an inhabergeführten Betrieben verschiedenster Größen immer noch als sehr „vielseitig“ dar. Unterschiedliche Konzepte und Vermarktungsansätze zeichnen die Branche aus und legen eine von der Umsatz- und Verkaufsflächendimension unabhängige Kategorisierung der Einzelbetriebe nach Geschäfts-Typen nahe: So werden gerade in vielen ländlichen Gegenden Deutschlands heute die typischen Hofläden als verlässliche ökologische Nahversorger wahrgenommen. Darüber hinaus schätzen Konsumenten die oftmals sehr persönliche Atmosphäre eines Hofladens und bringen dem Händler / Landwirt in der Regel ein enormes Grundvertrauen entgegen. Im Jahr 2015 wuchsen die Umsätze der Betriebe um 9,2 Prozent. Mit einem Tagesumsatzzuwachs von 3,3 Prozent für das erste Halbjahr 2016, haben sie den stärksten Zuwachs aller Betriebstypen erzielt.

Tagesumsatz in einem Bioladen

Die richtige unternehmerische Strategie finden

Kleine Naturkostläden und Naturkostfachgeschäfte sind Naturkost-Verkaufsstätten, zumeist inhaber(familien)geführt, mit ausgewählten Frische-Sortimenten und begrenzten Trocken- und Naturwarensortimenten und Bedientheken. Die angebotenen Sortimente sind wegen der beschränkten Verkaufsfläche oft stark spezialisiert. Im Jahr 2015 konnten diese Betriebe einen Zuwachs von 8,5 Prozent erzielen. Im ersten Halbjahr 2016 hatten diese Betriebe nahezu einen Stillstand der Umsätze, es wurde gerade noch ein Tagesumsatzwachs von 0,7 Prozent erzielt.

Bio-Branche - Profilierung im Fachmarkt
Eine gut gepflegte Frische-Abteilung dient als Aushängeschild

Während kleinen, eher umsatzschwachen Naturkostläden und Fachgeschäfte oft ein Rückzug in spezialisierte Nischen eine bescheidene Existenzberechtigung sichern kann, gehen immer mehr Händler aus dem Umsatz-Mittelfeld einen anderen Weg, indem sie auf größere Flächen umziehen und/oder in weitere Verkaufsstellen investieren. Zum einen versuchen sie so, das Potential des jeweiligen Einzugsgebiets möglichst komplett auszuschöpfen, zum anderen besetzen sie zusätzlich attraktive Standorte in der Erwartung, sich so gegen finanzkräftige Filialisten positionieren zu können. In der Folge entstehen zunehmend inhabergeführte Handelsunternehmen, die mit mehr als einer Verkaufsstelle am Markt vertreten sind.

 

Biosupermärkte sind Naturkost-Verkaufsstätten mit einem Vollsortiment an Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik-/-drogeriewaren; überwiegend mit starker SB-Ausrichtung; die Frischesortimente Wurst & Fleisch und Käse werden oft in Bedientheken. in einer modernen und attraktiven, eher großflächigen Verkaufsstätte angeboten. Hier liegen die Zuwachsraten bei 2,5 Prozent für die ersten sechs Monate des Jahres 2016; im Gesamtjahr 2015 hatte der Zuwachs mit 9,8 Prozent ein zweistelliges Ergebnis knapp verfehlt.

Es stellt sich angesichts der aktuellen Herausforderungen im Fachhandel die Frage, ob die konstant hohen Wachstumsraten aus dem vergangenen Jahrzehnt in nächster Zeit überhaupt wieder erreicht werden können: Die Branche steht vor einer entscheidenden Phase - und sollte sich bewusst sein, dass die Erfolgsgeschichte der Vergangenheit schnell beendet sein kann, wenn sie es verpasst, sich rechtzeitig auf zukünftige Entwicklungen einzustellen. Dabei gibt es aus unserer Sicht allerdings keine allgmein gültigen Erfolgsstrategien: Immer wichtiger wird für den inhabergeführten Fachhandel, ein individuelles und unverwechselbares Profil zu finden und dieses auch in der Kommunikation nach außen zu schärfen. Für Ladner, die diese unternehmerische Weichenstellung jetzt verpassen könnte es mit Blick auf die aktive Konkurrenz in anderen Vertriebsstrukturen in den nächsten sonst wirklich eng werden.


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