Was bringt Facebook? Ein Selbstversuch aus unserem Büro

Für einige Akteure in der BioBranche sind soziale Netzwerke bis heute "Neuland" - auch unser Büro macht da keine Ausnahme. Da wir im Team oft darüber diskutieren, was mögliche Gründe dafür sein könnten und welche Schwierigkeiten gerade Anfänger bei Facebook immer wieder haben, hat Karin einen Selbstversuch gewagt, von dem sie hier berichtet. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere ja in der Geschichte wieder...


Auch ich gehöre inzwischen zu den Leuten, die bei manchen Themen nicht immer von Anfang dabei sein wollen und viele neue Entwicklungen und Techniken eher kritisch beäugen. Früher war das noch ein bisschen anders: Meine erste eMail Adresse hatte ich während meines Studium schon Anfang der neunziger Jahre. Google und Co nutze ich eigentlich täglich, obwohl wir auch eine Tageszeitung abonniert haben. Aber warum soll ich jetzt mit über vierzig (oder eher fast fünfzig) noch damit Anfangen, Facebook zu nutzen?

Xing reicht doch auch, oder? Facebook ist was für Jüngere, da wird gelästert und Schwachsinn erzählt, und ist daher am Ende einfach Zeitverschwendung. Außerdem, wer will schon immer online und überall erreichbar sein? Aber da wir im Büro die Thematik zeitgemäßer Umgang mit den neuen Medien im Fachhandel öfter erörtern und nun ja schon eine Weile auch als Kommunikationsberatung bei Facebook vertreten sind, habe ich mich überzeugen lassen mich der Sache vorsichtig anzunähern:

Erste Schritte im "Facebook-Universum"

Anfang April 2016 habe ich mich also mit einem eigenen Account (Karin von KlausBraun) angemeldet. Die Idee war ja, Facebook vor allem beruflich zu nutzen, daher wollte ich auf darauf verzichten mich mit meinem kompletten richtigen Namen anzumelden. Soweit alles kein Problem. Als erstes will Facebook, dass ich ein eigenes Profilbild hochlade und ein paar persönliche Daten eintrage. Beides in Ordnung, auch im beruflichen Umfeld benutze ich Bilder von mir und spreche ab und zu mit Kunden über persönliche Dinge. Meine beiden ersten Facebook Freunde waren dann Prisca (von unserem Steuerbüro) und Michael, ein Ladner aus München. Da war ich das erste Mal baff: Facebook erkennt schon anhand weniger Informationen, wen ich im realen Leben kennen könnte und schlägt mir passend neue Freunde vor! Beim Ergänzen meiner persönlichen Daten habe ich dann auch direkt eine Gratulation zu meiner Hochzeit erhalten. Und zwar am 05. April 2016 (wir haben im Juli 2000 geheiratet), also ein bisschen spät - aber dennoch sehr nett!

Da ich mir vorgenommen habe, den Account wirklich aktiv zu nutzen um schnell eigene Erfahrungen zu machen, habe ich mindestens einen - aber tendenziell eher drei Postings pro Woche versandt. Die Posts sind eher intuitiv als irgendwie geplant oder wohl überlegt. Für einen professionellen Einsatz von Facebook macht ein Konzept mit Redaktionsplan sicher mehr Sinn, aber ich bin doch eher der "spontane Typ". Da ist es auch nicht verwunderlich, dass ich in den ersten Wochen direkt in einige Fettnäpfchen getappt bin...

Durch einen Beitrag in meinem Newsfeed werde ich auf einen aktuellen Radiobericht hingewiesen: Es geht darum, dass ich mit einem vorbereiteten Posting die Urheberrechte an meinen Daten erklären  kann und soll. Das klingt doch  vernünftig, es soll ja nicht jeder alles  einfach weiterverbreiten dürfen! Also habe ich direkt den Widerspruch zu den Nutzungsbedingungen von Facebook bei Facebook reingestellt - und natürlich prompt ein bisschen Häme von Freunden geerntet!


Ich lerne also: Solche "Hoax"-Nachrichten (Falschmeldungen, die sich aufgrund ihres pseudo-relevanten Inhaltes schnell verbreiten) kursieren bei Facebook immer wieder, und werden tatsächlich über Jahre weiterverteilt - rechtliche Grundlagen gibt es dazu nicht, aber wenn man die Nachricht das erste mal sieht, klingt sowas sehr alarmierend. Naja, vielleicht muss ich mich doch mal mit den AGBs von Facebook beschäftigen wenn ich ein bisschen Zeit und Ruhe habe...

"Bilder sagen mehr als 1000 Worte"

Die meisten angezeigten Postings, beziehen sich übrigens wirklich auf meine persönliche Interessenlage und ich muss sagen, dass ich seit der Anmeldung in Facebook noch mehr Informationen zu unterschiedlichen Themen wahrnehme. Natürlich sind manche Statusmeldungen von meinen Facebook-Freunden oder die vielseitigen Vorschläge von Facebook auch mal eher zum davon Laufen (gehört wohl zum großen Spiel) – es gibt jedoch auch viele Postings mit wirklich anregenden Inhalten! Was ich jedoch noch spannender finde, dass ich plötzlich mit Leuten in Kontakt komme, die ich bisher nur oberflächlich kannte: Ich hab mit einigen meiner (neuen) Facebook-Freunde jetzt auch einen persönlichen Austausch, der sich bisher ausschließlich auf berufliche Ebene beschränkte. Mit einigen dieser Menschen aus der Branche will ich mich nun auch mal zum realen Kaffee verabreden. Dank Facebook haben wir einige Übereinstimmungen in den Interessen entdeckt, die es vielleicht lohnt zu vertiefen.

Unerwartet tiefgehende Diskussionen

Das zweite Phänomen, welches ich beobachte,  ist dass mich meine realen Freunde, die mit meinem Account verlinkt sind, manchmal auf die Inhalte aus beruflichen Postings ansprechen: Plötzlich wird im Freundeskreis auch Mal über Branchenthemen diskutiert! Aufschlussreich für mich ist, dass es bei Facebook deutlich mehr „Leser“ gibt, die zwar mitlesen, was andere öffentlich teilen oder diskutieren, aber selber nur selten aktiv "online" etwas Liken. Hiermit wird für mich aber auch klar, daß man sich mit interessanten Postings bei Facebook tatsächlich "real" wieder ins Gespräch bringen kann, und man dies auch gezielt für den Beruf nutzen kann, wenn man das möchte.


Der Versuch eines ersten Fazits:

Ich habe mich gerade in letzter Zeit, mit dem Vorurteil „frisst uns die notwendige und schnelle Kommunikation in den sozialen Medien nicht zu viel Zeit weg?“ beschäftigt: Ja, natürlich kann man sich im Facebook verlieren, diese "Rumdaddeln" mache ich aber eher Abends auf der Couch mit dem Pad. Wenn man sich aber selbst feste Regeln auferlegt, wie beispielsweise direkt morgens nach Ankunft im Büro, kurz vor der Mittagspause oder kurz vor Feierabend eine Viertelstunde bewusst auf Facebook zu sein, kann man meines Erachtens auch dieses Medium gut in den Arbeitsalltag integrieren!

Nach sieben Monaten mit begrenzter Aktivtät habe ich bei Facebook 240 Freunde, geschätzt über 100-„gefällt mir“-Angaben für meine Beiträge und auch tatsächlich einige neue Impulse für das "reale Leben" erhalten! Mein nächster Schritt wird nun sein, mich nun intensiver mit unserem Facebook Firmenaccount zu befassen. Inzwischen kann ich mir zumindest vorstellen, dass man auch in diesem Bereich vieles anstoßen kann, und Simon freut sich sicherlich über etwas Unterstützung. Ich werde wieder berichten!

Karin Lösch


Kommentar: Der Naturkosthandel bei Facebook

Muss ein Bioladen jetzt auch zu Facebook? Das lässt sich so einfach nicht sagen, aber schaden kann es eigentlich nicht! Jeder Laden hat seine individuelle Kundenstruktur: Daher sollte man mit dem Konzept und auch mit den Inhalten seines Online Auftritts (oder auch bei Facebook Postings) immer wieder experimentieren was am besten funktioniert. Ich bin in der Zwischenzeit aber davon überzeugt, dass in den wenigsten Bioläden das Potential von Facebook als Instrument zur Kundenbindung und Akquise erkannt wurde. Das gilt es nun zu ändern!

Vielleicht führt ja auch gerade die momentanen Situationen im Fachhandel bei einigen zu dem Entschluss, sich mit neuen Themen zu befassen. Und vielleicht konnte dieser persönliche Erfahrungsbericht zumindest bei dem ein oder anderen die Tür zu "sozialen Medien" ein bisschen weiter öffnen! Sicherlich sollte der berufliche Umgang mit Facebook als Marketinginstrument aber ein grundsätzlich anderer sein, als hier in Herangehensweise von Karin vorgelebt! :)

Wenn Sie bei der Einführung von Facebook oder der Verbesserung der Marketingwirkung Unterstützung brauchen, sprechen Sie uns an!

Simon Döring