Facebook professionell einsetzen? Unnötige Fehler vermeiden!

Wenn man mit dem Gedanken spielt, Facebook für das eigene Unternehmen einzusetzen, sollte man sich im Vorfeld etwas Zeit nehmen um nicht aufgrund von falschen Erwartungen zu vorschnellen Urteilen zu kommen. Auch sind beim Einstieg ein paar grundlegende Dinge zu beachten! Insbesondere bei kleinen Unternehmen, die keine Vorerfahrung mit Socia-Media haben, werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht...


Spätestens, nachdem ich Karins Bericht von ihrem Selbstversuch bei Facebook gelesen habe, wurde mir klar, dass ich mich mal wieder mit einem kleinen Beitrag etwas grundlegender mit ein paar Gedanken zum Thema „Facebook“ auseinander setzen sollte: Einige der Themen und Erfahrungen, von denen Karin berichtet, sind mir aus meinen Seminaren und Beratungen ja durchaus bekannt. Dennoch ist es für mich immer wieder faszinierend zu sehen, an welchen vermeintlich einfachen Punkten der professionelle Einsatz von Facebook gerade in kleinen Unternehmen scheitern kann!

 

Ich möchte an dieser Stelle also zumindest ein paar Punkte aus Karin Blogbeitrag aufgreifen, die aus meiner Sicht die häufigsten "Missverständnisse" bei Einsteigern im Facebook-Marketing und eigentlich leicht zu umgehen sind. So hoffe ich auch dem ein oder anderen Händler dabei zu helfen, einfache Fehler zu vermeiden und mit falschen Vorstellungen aufzuräumen...


1. Vor dem Start: Anmeldung mit Pseudonym oder Klarnamen?

Der erste, und auch gleichzeitig der wichtigsten Punkt für die professionelle Nutzung von Facebook ist die Frage nach dem Namen des Accounts: Karins Entscheidung, das primär aus beruflicher Motivation entstandene Profil mit „Karin von KlausBraun“ zu benennen ist zum Teil nachvollziehbar. Auch ich habe mir in der Vergangenheit einen entsprechendes Profil ("Simon von KlausBraun") erstellt, um berufliches und privates möglichst sauber trennen zu können. Dieses Profil nutze ich heute auch noch gelegentlich - inzwischen aber parallel mit meinem "realen Account", den ich ursprünglich nur für privates eingerichtet hatte. An dieser Stelle ist folgendes aber zwingend zu beachten: Für die Anmeldung bei Facebook gilt grundsätzlich eine Klarnamen-Pflicht!

Laut Richtlinien ist Facebook „eine Gemeinschaft, in der Personen die Namen verwenden, mit dem sie im alltäglichen Leben am häufigsten angesprochen werden.“  Es wird darüber hinaus ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Profil um einen Namen handeln sollte, der auch mit Hilfe eines offiziellen Ausweisdokuments überprüft werden kann. Beim Verstoß gegen die Richtlinien droht im schlimmsten Fall die Sperrung bzw. automatische Löschung des gesamten Accounts.

Für die professionelle Nutzung von Facebook empfehle ich daher ausdrücklich eine Anmeldung mit dem Klarnamen: Ansonsten kann es tatsächlich passieren, dass man ohne Vorwarnung die Zugriffsrechte auf die Unternehmensseite verliert. Das ist nicht nur ärgerlich sondern auch sehr schade um die gesamte Arbeit, die man beispielsweise in den Aufbau einer eigenen Community gesteckt hat. Wenn man trotzdem unbedingt einen anderen Namen (Geburtsname, Spitzname, Firmenname,...) für berufliche Zwecke nutzen will, bestehen hierzu begrenzt Möglichkeiten:

So kann man in seinem Profil beispielsweise andere (weitere) Namen hinterlegen. Auch ist es durchaus denkbar, ein (von Facebook untersagtes) "Pseudoprofil" anzulegen, und dieses dann parallel zum "realen Account" zu betreuen. Mit ist bekannt, dass dieses Modell in einigen Unternehmen umgesetzt wird und auch richtig gut funktionieren kann. Abgesehen davon, dass man damit gegen die Richtlinien von Facebook verstößt, kann ich dieses Vorgehen aber nur in Einzelfällen nachvollziehen,

 

Vor der Entscheidung für ein Zweitprofil sollte man folgende Punkte überdenken:

  • Wo unterscheidet sich die berufliche und die private Nutzung von Facebook?
    Die Grenzen sind in der Regel fließend und verwischen mit der Zeit. Irgendwann wird es auch für einen selber schwer zu entscheiden, mit wem man jetzt über was mit welchem Account schreibt, welche Konten und Adressen man nutzt, oder wie man sich auf dem Smartphone einloggt.
  • Mittelfristig ist die Betreuung von mehr als einem Facebook-Profil aufwendig!
    Wenn beide Profile pflegen will ist man am wechseln. Auch ist diese Unterscheidung für die eigenen Freunde irgendwann schwer nachzuvollziehen.
  • Facebook als Werbepartner - aber nicht den eigenen Namen verwenden?
    Bei manchen unzufriedenen Mitarbeitern mag es noch verständlich sein, wenn sie ihren Namen nicht in Verbindung zu dem Unternehmen sehen wollen. Aber wir sollten doch seriös auf unsere Kunden und Geschäftspartner zu gehen - aber bei Facebook  verweigern wir dem Kommunikationspartner unsere Identität? .
  • Eine saubere Trennung ist mit etwas Aufwand durchaus möglich!
    Es gibt inzwischen genug Möglichkeiten, ein eigenes Profil mithilfe der Privatsphäre-einstellung beispielweise auf "unsichtbar" zu schalten oder auch seine verschiedenen Facebook-Freunde in "beruflich" und "privat" zu kategorisieren und so Inhalte und Postings klar zu unterscheiden.

Kurzum: Es gibt eigentlich keinen seriösen Grund für ein Pseudo-Zweitprofil!!!


2. Die Struktur: Nutzung einer Unternehmensseite für den Betrieb

Für die korrekte "Trennung von Beruflichem und Privatem" hat Facebook ohnehin an anderer Stelle schon gesorgt: Nachdem man sich ein persönliches Profil erstellt hat nutzt man dieses, um für den Betrieb eine eigene Unternehmens-Seite zu erstellen! Von diesen Seiten kann man eine Vielzahl erstellen und sie übrigens auch etwas freier benennen: Firmennamen, Markennamen, Gruppennamen... Das persönliche Profil steht dann quasi "hinter" der Unternehmensseite und dient in erster Linie der Administration. Und für die Erstellung einer Unternehmensseite gibt es auch pragmatische Argumente:

  1. Kommerzielle Nutzung von privaten Profilen ist bei Facebook "nicht gern gesehen"! Hier riskiert man im schlimmsten Fall die Löschung des Accounts.
  2. Die Unternehmensseite bietet mehr Funktionen und Möglichkeiten zur Auswertung! Der Einsatz von Anzeigen und die Transparenz durch Statistiken ist weitaus komfortabler, und in der privaten Seite nicht enthalten.
  3. Einer Unternehmensseite können mehrere Profile zugeordnet werden!
    So können beispielsweise auch Mitarbeiter mit verschiedenen Rollen und Rechten (Redakteur, Administrator, ...) bei der Betreuung der Seite unterstützend tätig sein.

3. Ziele, Inhalte, Werkzeuge: Ein passendes Konzept entwickeln

In ihrem Selbstversuch schreibt Karin, dass ihre Postings eher spontan und intuitiv entstehen. Für die erste Phase des "Kennenlernens der Funktionen" und für das private Profil ist das auch vollkommen in Ordnung. Für die Unternehmensseite empfehle ich aber dringend, eine Strategie und zumindest einen Rahmenplan für die Inhalte zu erstellen! Ein oft gehörtes (Vor-)Urteil über Facebook-Marketing ist ja, dass die Betreuung sehr aufwendig ist und man kaum reale Effekte damit erzielen kann. Hier liegt für mich aber ein wichtiger Knackpunkt: Es ist essentiell, vor dem Einsatz von Facebook zu klären, was man mit seinen Aktivitäten eigentlich erreichen will! Dem Aspekt "Zielsetzung und Definieren von Inhalten" wird in der Praxis leider viel zu wenig Beachtung geschenkt. Das Problem, nach mehreren Monaten dann nicht zu erkennen, was man eigentlich erreicht hat ist dann aus meiner Sicht selbst gemacht. Facebook-Marketing ist eine langfristige Investition in die Außendarstellung des Unternehmens und sollte auch so verstanden werden. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie hat mal wieder ergeben, dass Social-Media vor allem in jenen Betrieben erfolgreich ist, die mindestens ein Jahr dabei sind und ausreichen Ressourcen für die Entwicklung des Kanals bereit stellen. Und bei langfristigen Investitionen sollte man doch in der Regel auch wissen, warum man sie tätigt und nicht jeden Tag "aus dem Bauch" entscheiden. :)

 

Erreichbare und messbare Ziele für Bioläden im Facebook-Marketing könnten sein:

  • Verbesserte Kundenbindung durch regelmäßigen Kontakt auf Augenhöhe!
    Inhalte: Persönliche Postings und Empehlungen von Mitarbeitern und Inhaber
  • Stärkere Wahrnehmug der eigenen Stärken und des Unternehmensprofils!
    Inhalte: Aufzeigen von speziellen Sortimenten oder Vorstellung von regionalen Herstellern
  • Effizienter Kundenservice und ein konstruktiver Dialog mit Stammkunden!
    Inhalte: Bistroangebot, Sonderangebote und Fragen nach Meinung und Feedback
  • Neukundenakquise mit Hilfe von zielgerichteten Aktionen und Anzeigen!
    Inhalte: Strukturierte Werbe-Kampagnen für klar definierte Zielgruppen ausspielen

Für jedes angestrebte Ziel sollten in der Konzeptionsphase entsprechende Inhalte (das wöchentliche Bistroangebot, Umfragen bei den Kunden, Hintergrundberichte über Hersteller, Aktionen und Events im Laden, usw...) erarbeitet und im besten Fall in Form eines monatlichen Redaktionsplans festgeschrieben werden. Dies ermöglicht auch die effektivere Betreuung der Firmenseite, indem Postings gesammelt erstellt und dann mithilfe der Planungsfunktion an festgelegten Zeitpunkten veröffentlich werden.

 

Insbesondere der letzte Punkt in der obigen Liste, der Einsatz von  Anzeigen wird in der Praxis nach meiner Erfahrung leider oft noch viel zu wenig beachtet:

Aus (für mich unerfindlichen) Gründen sind viele der Meinung, dass Werbung auf Facebook immer spontan und vor allem kostenfrei sein muss (und trotzdem spürbare Erfolge zu erzielen wären). Natürlich kann ich auch mit ungeplanten und persönlichen Postings auf Facebook in einen angemessenen Kontakt mit meiner Zielgruppe kommen. Und es gibt auch einige Ladner, die durch eine konsequente und liebevolle Seitenbetreuung nur mit diesem kostenfreien Weg durchaus positve Erfahrungen machen. Da spricht ja auch gar nichts dagegen, das Potential von professionellem Facebook-Marketing geht aber deutlich weiter und daher sollte der Facebook-Auftritt aus meiner Sicht immer zwingend im Zusammenspiel mit anderen Werbekanälen betrachtet werden: Wenn man die Reichweite und die geringen Streuverluste beispielsweise mit Printanzeigen vergleicht, wird schnell deutlich, dass zumindest ein Teil des Werbebudgets auch in den Facebook-Kanal fließen sollte!

 

Wenn dann aus konzeptionellen Überlegungen und unter Berücksichtigung von realistischen Aufwand- und Nutzenerwartungen auf den Einsatz von Redaktionsplänen und Anzeigen verzichtet wird ist das gerade bei kleinen Läden oft eine bewusste (und sinnvolle) Entscheidung. Sich zum Einstieg etwas ausführlicher mit den Werkzeugen und Ansatzpunkten zu beschäftigen ist aus meiner Sicht aber zwingend notwendig, wenn man nicht eine spätere Enttäuschung vorprogrammieren will - viele Anfängerfehler, (wie sie ja auch Karin unterlaufen sind) lassen sich ja wirklich einfach vermeiden!


Den Einstieg in Facebook kann man durch eine individuelle Schulung deutlich erleichtern. Die Erfahrung zeigt aber, dass auch für bereits etablierte Unternehmensseiten eine externe Analyse oder die Zusammenarbeit mit professionellen Dienstleistern eine zielführende Hilfestellung sein kann.

Wenn Sie nach diesem Beitrag Fragen rund um Facebook-Marketing oder Interesse an einem verstärkten Einsatz von Anzeigen in Ihrem Bioladen haben,  sprechen Sie uns an!

Simon Döring