Zahlen, Daten, Fakten - Die aktuelle Branchenentwicklung

BioBranche - Umsatzentwicklung

Die Naturkost-Branche ist erwachsen geworden: Die Zeiten, in welchen ausschließlich "Weltverbesserer" und "Hardcore-Ökos" in Birkenstocks zu Bio-Lebensmitteln greifen, sind längst vorbei. Das ist im Kern erstmal eine überaus gute Nachricht - allerdings haben sich dadurch auch automatisch die Regeln am Markt geändert und die "Szene von früher" muss sich neuen Herausforderungen stellen...


"Bio" ist kein alternativer Trend - sondern ein Markt

Bio-Lebensmittel in Deutschland - Anteil
Quelle: AMI - Bild zum Vergrößern anklicken

Naturkost ist heute kein Nischenprodukt mehr: Der Anteil von Bio-Produkten an dem gesamten Lebensmittelumsatz in Deutschland liegt heute bei rund 5 Prozent, und immer mehr Akteure wollen etwas von dem immer größer werdenden Kuchen abbekommen. Wenn der Verbraucher heute bei Aldi, Edeka, Rewe und Co einkaufen geht, findet er an jeder Ecke Schilder, die ihn auf das (mehr oder weniger ernstgemeinte) Versprechen von "ökologischen, fairen und regionalen Lebensmitteln" aufmerksam machen wollen. Und die Menschen nehmen das Angebot aktiv und dankend an. So lag der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland im Jahr 2016 bei 9,48 Millionen Euro, und der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel mit seinen knapp 36.000 Verkaufsstätten erzielte im Bereich "Bio" gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzzuwachs von etwa 15 Prozent. Das stärker werdende Bewusstsein bei vielen Menschen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung führt also immer noch zu zweistelligen Wachstumsraten. Bis vor kurzem profitierte hiervon aber ausschließlich der Naturkostfachhandel, heute ist der Markt deutlich umkämpfter.

Der Naturkostfachhandel im strukturellen Wandel

Bio-Lebensmittel in Deutschland - Umsatz
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Auch wenn die vermeintlich größte "Bedrohung" für Bioläden aus dem konventionellen LEH zu kommen scheint, lohnt es sich durchaus, auch einen Blick auf die brancheninternen Veränderungen zu werfen: Die Gesamtzahl der Bioläden und Biomärkte in Deutschland liegt aktuell bei knapp 2.600 Verkaufsstätten und hat sich im Verlauf der letzten Jahre kaum verändert. Auffällig sind allerdings strukturelle Veränderungen, die von Jahr zu Jahr mit steigender Intensität erfolgen: Systematisch schließen eher kleine Läden, und großflächige Biosupermärkte werden neu eröffnet. Die gesamte Verkaufsfläche im sogenannten Naturkostfachhandel hat sich in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt. Gleichzeitig wird es immer schwieriger klar zu defininieren, was eigentlich unter "Fachhandel" zu verstehen ist: So gibt es heute 600 Biosupermärkte in Deutschland, die zunehmend als Filial-Betriebe von reginalen und überregionalen Unternehmen betrieben werden. Diese Entwicklung ist für sich erstmal nichts Problematisches, und sorgt aus Verbrauchersicht auch für ein günstiges und vielfältiges Angebot - das Geschäftsmodell des "kleinen Bioladens um die Ecke" muss sich in diesem hart umkämpften Umfeld aber nun auch erstmal wieder behaupten und seine Existenzberechtigung beweisen.

Der "Boom" ist vorbei: Willkommen in der Realität?

Naturkostumsatz in Deutschland - 2016
Quelle: KBKB-Umsatzbarometer - Bild zum Vergrößern anklicken

Für das Gesamtjahr 2015 konnten wir noch über einen Tagesumsatzzuwachs von 9,4 Prozent berichten - im letzten Jahr zeigte sich aber ein deutlich anderes Bild: Was sich im letzten Quartal 2015 bereits angedeutet hatte, setzte sich im Jahresverlauf 2016 als stark abgeschwächte Dynamik in der Umsatzentwicklung fort: Der Naturkosteinzelhandel erreichte (flächenbereinigt) einen bescheidenen Gesamtjahreszuwachs von lediglich 1,3 Prozent. Solch verhaltene Wachstumszahlen sind für andere Betriebe im konventionellen LEH schon lange üblich und gehen deshalb rein zahlenmäßig eigentlich in Richtung "Normalität". Ungewöhnlich war eher die Vergangenheit: Über die fünf Jahre von 2012 bis 2016 steht immer noch ein Zuwachs von kumuliert 32,9 Prozent. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Geschäftstypen waren dabei recht gering, auch wenn großflächige Märkte tendenziell am meisten von der positiven Entwicklung abbekommen haben:

Strategische Positionierung als unternehmerische Aufgabe

Inhaber von Bioläden müssen sich in diesem Umfeld einmal mehr die Frage stellen, wie sie ihr eigenes Geschäftsmodell eigentlich definieren: Während kleinen und umsatzschwachen Naturkostläden oft der "Rückzug" in spezialisierte Nischen oder eine feste Stammkundschaft zumindest eine bescheidene Existenz am Markt sichern kann, gehen Händler aus dem "Umsatz-Mittelfeld" vermehrt einen anderen Weg, indem sie auf größere Flächen umziehen und/oder in zusätzliche Verkaufsstellen investieren. So versuchen sie, das Potential des jeweiligen Einzugsgebiets möglichst komplett auszuschöpfen und attraktive Standorte zu besetzen. Immer in der Hoffnung, sich so auch gegen finanzkräftige Filialisten behaupten zu können. Aus den "sehr persönlich geprägten Bioläden" werden so vermehrt inhabergeführte Handelsunternehmen, die mit mehr als einer Verkaufsstelle am Markt vertreten sind. Eine Strategie, die zwar durchaus aufgehen kann, aber gerade für die tätigen Menschen oft ein tiefgreifenden Wandel sowohl ihrer unternehmersichen Aufgaben, als auch ihrer täglichen Arbeit mit sich bringt. Darüber hinaus, veränder sich die Kundenwahrnehmung spürbar: Die Frage ist gerade in diesen Fällen, mit welchen Argumenten sich solche Betriebe gegenüber den großen Filialisten und dem LEH postionieren können:  Einfach möglicht viele Bio-Lebensmittel zu verkaufen wird in Zukunft vermutlich nicht mehr reichen, denn das können andere auch und gerade der LEH zum Teil deutlich effektiver. Von Bioläden wünschen sich die Menschen heute weit mehr als "nur" korrekte ökologische Lebensmittel: Es geht um Service, Produktvielfalt und Glaubwürdigkeit. Und der Fachandel muss das liefern, umgehend und authentisch! Ansonsten läuft er Gefahr, sich überflüssig zu machen.


Die Daten für unsere Branchenanalysen erhalten wir von über 300 Naturkostfachhändlern, und werden regelmäßig in Form des Umsatzbarometers im BioHandel veröffentlicht und so allen interessierten Akteuren der Branche kostenfrei zugänglich gemacht. Die Beteiligung am Umsatzbarometer ist für Einzelhänder natürlich kostenfrei, mit jedem zusätzlichen Teilnehmer steigt die Qualität der Aussagen. 

 

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