Instagram im Bioladen (Teil 1)

In einem unserer letzten Beiträge haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob Facebook im Natrkosthandel noch von Relevanz ist. Als Alternative wird immer wieder Instagram genannt, und tatsächlich gibt es einige Argumente, die den Kanal auch für Bioläden zunehmend interessant machen. Ein Selbstläufer ist aber auch dieses Netzwerk nicht! Wir geben in diesem Blogbeitrag ein paar Tipps, worauf man bei der Entscheidung und Betreuung aus unserer Sicht achten sollte...


Eine grundsätzliche Unternehmensentscheidung

Als erstes kann man sagen, dass es für den langfristigen Erfolg eines Bioladens nicht entscheidend sein wird, ob er bei Instagram aktiv ist. Allerdings spricht sehr viel für aktives Marketing und dafür, verschiedene Werkzeuge zu nutzen, um das eigene Profil zu schärfen. Facebook und Co bieten die Möglichkeit, die eigenen Zielgruppen sehr gezielt und auch mit geringen Werbebudgets persönlich anzusprechen. Es geht in einem "sozialen Netzwerk" per Definition eigentlich primär um den "Kontakt zwischen Menschen" - wenn sich ein Bioladen hier authentisch und ansprechend präsentiert, bekommt er automatisch ein "Gesicht".

Wichtig ist allerdings zu verstehen, dass Aktivitäten bei Instagram (genauso wie bei Facebook) bei all der Schnelllebigkeit als eine langfristige Investition zu sehen sind. Es wird nicht so sein, dass man schon wenige Wochen oder Monate nach dem Start bei Instagram einen extremen Kundenzuwachs spüren wird. Mit der Zeit kann es aber sehr wohl dazu kommen, dass die vorhandenen Kunden das Profil des Geschäfts besser (ein)schätzen und auch neue Zielgruppen über Inhalte an den Laden heran geführt werden können. Um da hin zu kommen, muss man aber aktiv sein und Zeit und Geld in den Aufbau einer Fanbasis und die  regelmäßige Erstellung von Inhalten investieren - und das geht nur, wenn entsprechende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Um wirklich spürbaren Erfolg zu haben, sollte es also eine klare und bewusste unternehmerische Entscheidung sein, ob man bei Instagram einsteigt oder nicht. Das heißt aber nicht, dass dann im Alltag der Chef selber den Kanal betreuen muss. Es macht die Arbeit aber deutlich leichter, wenn die notwendige betriebliche Offenheit und Spontanität für Facebook und Co wirklich "von oben" gewollt ist: Ähnlich wie die Beratung im Laden ist ein Social-Media-Auftritt ein "weicher" Erfolgsfaktor für einen Laden und sollte als Teil der Unternehmensphilosophie  wirklich "gelebt" werden. Und hierfür ist am Ende eben der Chef bzw. der Unternehmer verantwortlich.


"Am Ende gilt für Instagram das gleiche, wie für viele anderen Bereiche:

Um erfolgreich zu sein, muss man es bewusst und 'richtig' machen.
Das bedeutet, dass man erstmal investieren und länger dabei bleiben muss."


Argumente für Instagram

Social-Media macht also "Arbeit". Aber was sollte einen Unternehmer dennoch dazu bewegen, Instagram für den eigenen Betrieb zu nutzen?

 

Nun, als aller erstes ist die potentielle Reichweite zu nennen: In Deutschland sind nach offiziellen Angaben inzwischen 15 Millionen Menschen aktiv. Das Netzwerk wächst in den letzten Jahre stetig vor allem bei jüngeren Menschen und erfährt im Prinzip gerade einen ähnlichen "Hype" wie Facebook vor 5-7 Jahren, ein Ende ist (erstmal) nicht in Sicht. Dieses Potential sollte auch der Naturkosthandel für sich nutzen.

Vor allem bei jungen Menschen hat sich Instagram als beliebtestes Netzwerk etabliert. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass Facebook von vielen Jugendlichen eher als "alt" wahrgenommen wird. Und das stimmt: Die Elterngeneration ist mit Facebook groß geworden, das Wachstum dort findet fast ausschließlich bei Menschen über 50 statt. Soziale Netzwerke dienen (wie der Name schon sagt) dazu, sich mit den Menschen in seinem sozialen Umfeld zu vernetzen - und der Wunsch von Teenagern, sich im Internet mit Mama, Papa und Oma zu vernetzen ist überschaubar. Also brauchen sie eine "eigene" Plattform, die einfach und vor allem mobil gut zu bedienen ist. Es wird sich zeigen, ob Facebook so mit der Zeit abgelöst wird, also auch die "ältere Generation" irgendwann dort landet, oder ob andersrum Jugendliche zu einem gewissen Zeitpunkt auf "Facebook" wechseln, weil man dort zum Beispiel doch noch tiefere Inhalte und Diskussionsgruppen zu unterschiedlichsten Themen findet. Für jetzt lässt sich aber klar sagen: Die spannende Zielgruppe der "Biokäufer von morgen" ist heute bei Instagram. Will man die ansprechen, muss man dort aktiv sein. Ansonsten läuft man Gefahr, eine gesamte Generation in der Kundenansprache zu verlieren.

Ein weiteres Argument für Instagram ist, dass das Netzwerk derzeit von einer hohen Dynamik geprägt ist: Viele neue Nutzer kommen hinzu und es werden (wie früher bei Facebook) auch viele private Momente geteilt. Das zusammen führt zu einer (im Vergleich) zu Facebook relativ hohen Interaktionsrate. Gleichzeitig sind bei Instagram bisher (noch) nicht so viele Unternehmen aktiv.  Während Facebook hier schon sehr etabliert ist und viele Werkzeuge, Hilfestellungen und Leitlinien für Werbetreibende zur Verfügung stehen, ist bei Instagram eher noch die "Goldgräberstimmung" zu finden - aufgrund des guten Verhältnisses von "aktiven Nutzern" zu "werbetreibenden Unternehmen" lassen sich mit einem guten Händchen schnell bemerkenswerte Erfolge erzielen. Gleichzeitig muss man aber auch noch viel ausprobieren und oft eigene oder neue Lösungen finden, wie sich die eigenen Inhalte in diesem Kanal sinnvoll verpacken und kommunizieren lassen. 


"Die 'goldene Zeit' bei Facebook mit vielen aktiven Nutzern und wenig Unternehmen hat der Naturkosthandel zum großen Teil verschlafen.

Damit sich das nicht wiederholt,

sollten sich Bioläden jetzt rechtzeitig mit Instagram beschäftigen."


Die sozialen Netzwerke können für den Naturkosthandel ein sehr gutes Werkzeug sein, die eigenen Stärken zeitgemäß zu kommunizieren. Es geht um einen direkten und authentischen Kontakt zu den eigenen Kunden - das sollte einem inhabergeführten Bioladen doch eigentlich entgegen kommen. Natürlich braucht es einen gewissen Aufwand, aber im Vergleich zu anderen Werbekanälen ist die Kosten-Nutzen-Relation sehr vielversprechend. Wenn man diesen Weg gehen möchte, ist Instagram aus unserer Sicht inzwischen auch ein Kanal, den man in den eigenen Marketing-Mix aktiv integrieren sollte.


Ein möglicher Ansatz, mit überschaubarem Aufwand in Instagram einzusteigen, ist den Kanal parallel mit den gleichen Inhalten wie Facebook zu bespielen. Mit entsprechender Software lassen sich die Beiträge für beide Kanäle gleichzeitig planen. Das ist meines Erachtens auch für kleine Betriebe mit wenig "Insta-Affinität" ein cleverer Weg.

 

Simon Döring