Bio im LEH wächst – Doch wie entwickelt sich der Bio-Fachhandel?

Seit Februar 2019 gibt es Bio-Verbandsware bei Kaufland, geführt unter der demeter-Marke Campo-Verde. Es wurden insgesamt 150 demeter-Artikel neu ins Sortiment aufgenommen. Und bereits Ende 2018 listete der Discounter Lidl Bioland-Produkte ein, die doch alle einst im Bio-Fachhandel als exklusive Verbandsware gehandelt wurden. Unsicherheit machte sich auch mit der Eröffnung von zwei Biosupermärkten unter dem Namen Naturkind durch den Handelsriesen Edeka im Fachhandel breit. Klar ist: Bio ist keine Nische mehr und Bio-Verbandsware bleibt nicht mehr nur dem Naturkostfachhandel vorbehalten. 

 

Und so fragt man sich ein Jahr später: Was geschieht mit den gut 2.500 inhabergeführten Bio-Fachgeschäften in Deutschland? Haben Sie auch in Zukunft eine Existenzberechtigung am Markt? Werden die Läden in Zukunft ausreichend Umsatz, gar Umsatzzuwächse generieren können um wirtschaftlich überleben zu können?


Naturkostfachhandel verzeichnet Umsatzzuwachs

Die Zahlen aus unserem vorläufigen ContRate Branchen-Betriebsvergleich 2019 beantworten diese Fragen mit JA. Denn der Fachhandel hat es geschafft, trotz der steigenden Wettbewerbsintensität oder vielleicht gerade aufgrund der Werbetrommeln von Kaufland, Lidl, Aldi und Co. seinen Umsatz zum Vorjahr um + 8,4% zu steigern. Diese positive Entwicklung wird durch unser Umsatzbarometer (mit einem Umsatzplus von sechs Prozent) bestätigt.

Innerhalb der letzten fünf Jahre konnten die Teilnehmer damit ihren Umsatz um ¼ erhöhen. Grund für die Umsatzsteigerungen in 2019 waren hälftig ein höherer Bonwert (Einkaufssumme) und zusätzliche Bons.  Das lässt sich als Indiz dafür werten, dass weiterhin neue Kunden den Weg in den Fachhandel finden.

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun

Spanne ist leicht rückläufig – der absolute Rohertrag steigt

Noch wichtiger als die Umsatzentwicklung ist für den Einzelhandel aber der Rohertrag, der sich ergibt, wenn vom Umsatz der Wareneinsatz abgezogen wird.  Nur der Ertrag steht zur Deckung der Handlungskosten, zum Tilgen von Darlehen und zum Erzielen von Gewinn tatsächlich zur Verfügung. 

 

Der Anteil des Rohertrags am Umsatz, auch Handelsspanne genannt, lag laut unserem ContRate Branchen-Betriebsvergleich 2019 bei 34,6% und ist somit im Vergleich zum Vorjahr (35,1%) leicht gesunken. 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun

Gesamtkosten sind langsamer gestiegen als die Umsätze

Der Anteil der Gesamtkosten am Umsatz ist bei der vorläufigen Auswertung auf 28,6% gefallen. Der Raumkostenanteil ist gesunken. Ausgaben für Marketing und Werbung liegen in 2019 unverändert bei 1,1%.

 

Angesichts der zunehmenden Konkurrenz sollten Werbeausgaben gerade in der aktuellen Phase als Investition in die Zukunft gesehen werden. Wichtig ist dabei, effektiv und authentisch zu werben: Strategisch gesehen ist es beispielsweise sinnvoll neue und jüngere Kundengruppen verstärkt auf den Sozialen Kanälen anzusprechen, denn Kundenumfragen zeigen, dass Biokäufer überdurchschnittlich online-affin sind (Umfrage BNN). Heute gehört auch das Schalten von Werbeanzeigen in den Sozialen Medien zu einem erfolgreichen Community-Management dazu.

 

Die Personalkosten sind anteilig zum Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gesunken, und die Personalleistung legte deutlich zu. Die starken Steigerungen aus den Zeiten der Einführung und Erhöhung des Mindestlohns gehören erstmal der Vergangenheit an. 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun

Am Ende bleibt mehr übrig

Der Cashflow, als Indikator für die Innenfinanzierung im Unternehmen und gefragte Kennzahl in Gesprächen mit Kapitalgebern, ist bei den teilnehmenden Betrieben in 2019 um 1/10 höher als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis erreichte umsatzanteilig 6 Prozent.

 

Weitere Kostenoptimierungen, ein schärferes Profil bei einem zeitgemäßen Marktauftritt sowie die Überarbeitung der Sortimente und der Artikel-Preiskalkulation gehören weiterhin zu den Kernaufgaben im Naturkostfachhandel. „Bio“ in bester Qualität gibt es ja mittlerweile in unterschiedlichen Vertriebskanälen. Also ist es die Aufgabe der Biofachhändler, ausreichend starke Argumente für ihren Laden zu entwickeln, um sich gegen die Mitbewerber mit ihrem Angebot an Bio-Lebensmitteln durchzusetzen. Es gilt, neue Kundenkreise zu erschließen und diese in Zukunft mit einem bedarfsorientierten Angebot sowie zusätzlichen Serviceleistungen zu überzeugen. 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun

Sie möchten mehr über die Entwicklung im Naturkosthandel wissen?

Einen Überblick über die Entwicklungen des Biomarktes mit einer Analyse der Entwicklungen von Umsatz, Handelsspanne und Kostenbelastung von Facheinzelhandelsbetrieben, detailliert aufbereitet in Tabellen und Grafiken, geben wir Ihnen in unserem Branchenreport Naturkost 2020 (Basisversion).  Ab Sommer 2020 erhältlich. 

 

Sind Sie an tiefergehenden Analysen interessiert, werden Ihnen die drei Einzelmodule:

(1.) Umsatzklassen, (2.) Geschäftstypen & Organisationsform und (3.) Regionen

weitere Antworten auf individuelle Fragestellungen zu Struktur und Ertragslage des Bio-Facheinzelhandels geben. 

 


     Klaus Braun & Franca Lichti

 

 

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