Gibt es eine Zukunft für "Bio aus Überzeugung"?

In unserem Blogbeitrag zum Thema "Bioläden und Corona" haben wir unter anderem die Frage gestellt, ob wir aus der aktuellen Entwicklung Antworten auf die Frage der allgemeinen Zukunft der Branche ableiten können - und ob "Bio aus Überzeugung" ein realistische Chance am Markt hat. Nun antwortet ein Händler mit einem klaren Statement:

"Ja, natürlich! Mit Glaubwürdigkeit, Authentizität, Echtheit,
sowie erkennbaren lokalen und regionale Beziehungen..."

 


These: In der Fachhandelsbranche gibt es zwei "Lager"

In unserem Blogbeitrag wird unter anderem die Beobachtung formuliert, dass in der  Fachhandelsbranche unterschiedliche Einstellungen und Beurteilungen zu der zunehmenden Verbreitung von "Bio" im LEH und gar im Discount bestehen. Ob Bioland bei Lidl oder Demeter bei Kaufland - wie jede Medaillie haben auch diese Vorgänge zwei Seiten, die es abzuwägen gilt: Helfen diese Schritte einfach dabei, das langfristige Ziel "100 Prozent Bio" zu erreichen? Oder schadet der zunehmende Einfluss von primär kapital- und renditegetriebenen Unternehmen der Bewegung, weil die ökologischen und sozialen Werte immer mehr in den Hintergrund geraten?

 

Den gesamten Blogbeitrag lesen sie hier, im Folgenden haben wir die einzelnen Thesen mit blauem Hintergrund, und anschließend die jeweiligen Antworten und Gedanken von Georg Rieck vom Klatschmohn in Gießen zusammengestellt:

 


Den Konkurrenzgedanken in den Hintergrund stellen:

Versuchen wir hier einmal den Konkurrenzgedanken auszublenden und stellen fest, dass der Fachhandel für das kleine Kundensegment der 20 %, die willens und in der Lage sind, eine wertebasierte Haltung zu leben, also für ein nischenartiges Marktsegment arbeitet. Nur hier findet das 100% Bio Argument, sowie die anderen aktuellen Problemlösungen ihre Adressaten. Dieses Qualitätssegment ist etwa zur Hälfte ausgeschöpft.

 

Lassen wir auch hier einmal den Vorwurf weg und stellen fest, dass es nicht um Kompromisse geht, sondern darum, dass die Massenproduktion für Massenmärkte den Gesetzmäßigkeiten unterliegt, die schlicht eine Wertorientierung nicht zulässt, weil sie der Kosten- und Effizienzoptimierung entgegensteht. Die Methoden werden nicht verwässert, sondern durch wirtschaftliche „Gesetzmäßigkeiten“ bestimmt. Der Massenmarkt, etwa 65% - 85 % der Konsumenten, wird kategorisch vom Streben nach viel, billig und bequem bestimmt. An diese Verbraucher richtet sich das Discount–Bio-Angebot, die mit den wenigen Bio Produkten ihren rein pragmatisch zusammengestellten Warenkorb adeln.

 

Werteorientiertes Unternehmertum und Corona als Chance

Ja, selbstverständlich! Das sind nämlich nur dann Gegensätze, wenn das „erfolgreiche Unternehmertum“ mit falschen, nicht wertorientierten Maßstäben gemessen wird. Gewinnmaximierung ist z.b. einer der falschen Maßstäbe.

 

Davon kann keine Rede sein! Wir stellen fest, dass es hier einerseits um den ursprünglichen
Gründungsimpuls der Biobranche geht und der Aufbruch in den Massenmarkt in diesem Kontext, kein Umschwenken darstellt, sondern eher einer Neugründung – eine neue Branche wird gegründet, die eine völlig andere Wertorientierung hat und andere Ziele verfolgt. Die Relevanz dieses Dualismus in der Diskussion wird allerdings rasant abnehmen, weil die gesamte Lebensmittelwirtschaft in der Corona – Herausforderung auf die Argumente „Nachhaltigkeit und Bio“ einschwenkt. Die Marketingabteilungen arbeiten mit Hochdruck und größtem Getöse daran – die aktuelle LZ ist ein einziger Nachhaltigkeits-Feldzug... Diese Entwicklung wird beide Konzepte auf verschiedene Weise, aber gleichermaßen unter Druck setzen: Die Hersteller, die glaubten im Massenmarkt bestehen zu können werden von den Bio-Segmenten der großen Marken schnell erdrückt werden, weil z.B. Lavazza eine viel stärkere Marke ist, als Lebensbaum.

 

Ich glaube, hier wurde der schlafende Goliath unterschätzt. Wir sind immer von einer „Gegnerschaft der LBM Wirtschaft gegen die Nachhaltigkeits-Ziele“ ausgegangen. Wir erleben aktuell die Vereinnahmung!


Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft:

Möglicherweise werden diejenigen, die aufbrachen den Massenmarkt zu erobern, schneller
inhaliert, als man es für möglich hielt. Für den qualitätsorientierten Fachhandel wächst gleichzeitig der Druck, seinen Charakter, seinen „Markenkern“, seine Ziele geschickt und konsequent, sichtbar und hörbar zu machen. Das wird schwer und kann nur gelingen, wenn der geliebte Haufen der Individualisten sich hinter einem Leitbild versammeln, die Kräfte bündelt und den Verbrauchern genauestens die dringendsten Wünsche erfüllt:

 

Glaubwürdigkeit, Authentizität, Echtheit,
sowie sicht- und fühlbare lokale und regionale Beziehungen.


Diese Sehnsüchte erhalten durch die Corona – Disruption ganz großes Gewicht:
Unsere Chance!


Wir freuen uns über die spannenden Anregungen von Georg und sind neugierig bezüglich weiterer Einschätzungen. Gerne können Sie bei Facebook einen Kommentar zu diesem Thema hinterlassen oder uns ihre Ansicht per Mail zusenden!

 

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