Bio wächst – und wie entwickelt sich der Fachhandel?

Die Corona-Pandemie hat massive Einflüsse auf das Kaufverhalten der bundesdeutschen Bevölkerung: Da seit Frühjahr 2020 mit lediglich kurzfristigen (und lokal unterschiedlichen) Unterbrechungen der stationäre Gastronomiebetrieb untersagt war, erfolgte auf breitester Ebene eine ‚Kompensation‘ durch stark steigenden Einsatz und Nutzung häuslicher Zubereitung und Verzehr der täglichen Ernährung.


Es wurden dazu erheblich mehr Lebensmittel (für die eigene Zubereitung) eingekauft als zuvor: Der Umsatz im gesamten bundesdeutschen Lebensmittelhandel stieg in 2020 um 6,7 Prozent zum Vorjahr auf 139,4 Mrd. Euro. Und die ökologischen Lebensmittel profitierten überdurchschnittlich von dieser Entwicklung: Ihr gesamter Umsatz liegt bei knapp 15 Mrd. Euro - und damit bei deutlich über zehn Prozent des Gesamtmarktes. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 22,3% mehr Biolebensmittel verkauft als 2019 - mit insgesamt 3,7 Mrd. Euro hat der Naturkost-Fachhandel daran einen Anteil von einem Viertel.

 

Schauen wir uns im Folgenden mal genauer an, was in dem turbulenten Corona-Jahr in den 2.500 inhabergeführten Bio-Fachgeschäften in Deutschland geschah.


Die Umsätze im Naturkostfachhandel profitieren von einem veränderten Einkaufsverhalten

Die vorläufigen Ergebnisse des ContRate Branchen-Betriebsvergleich für 2020 zeigen, dass der Fachhandel es geschafft hat, seinen Umsatz zum Vorjahr mit plus 16,4% doppelt so stark zu steigern wie in 2019.

Wie sich diese Umsätze zusammensetzen, hat sich im Vergleich zu den Vorjahren dramatisch verändert: Die zweistellige Umsatzsteigerung wurde erzielt mit weniger Kaufvorgängen; deren Anzahl ging im Schnitt um 3% zurück. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Bonsumme um mehr als vier Euro (mehr als 20% beim durchschnittlichen Einkauf lag (mindestens) ein zusätzlicher Artikel im Einkaufskorb.

 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun -  Stand: April 2021

Auch die Handelsspanne ist gestiegen

Die wichtigste Stellschraube für den wirtschaftlichen Erfolg im Einzelhandel ist der Rohertrag, der sich ergibt, wenn der Wareneinsatz vom Umsatz abgezogen wird. Dieser Ertrag steht zur Verfügung zur Deckung aller Handlungskosten, zum Tilgen der Darlehen und zum Erzielen von Gewinn.

 

Die realisierte (Netto-) Handelsspanne (der Anteil des Rohertrags am Umsatz) lag 2020 bei 35,4% und damit knapp einen Punkt höher als im Vorjahr (34,9%).

 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun -  Stand: April 2021

Gesamtkosten steigen schwächer als die Umsätze

Der Anteil der Gesamtkosten am Umsatz ist bei der vorläufigen Auswertung um etwa zwei Punkte gefallen auf 26,7%.

Aufgrund ihres unterdurchschnittlichen Zuwachses sind die Personalkosten die Hauptursache für das Sinken der anteiligen Kosten. Da der Umsatzzuwachs mit fast demselben Aufwand an Arbeitsstunden wie im Vorjahr erwirtschaftet wurde, sanken die Personalkosten anteilig zum Umsatz um mehr als einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr, obwohl (primär infolge der in den meisten Betrieben gezahlten Corona-Boni) die Kosten je Arbeitskraft um mehr als 12% gestiegen sind.

Zugleich legte die Personalleistung deutlich zu: Von 150 TEUR im Vorjahr stieg der Umsatz je Vollzeitkraft auf knapp 175 TEUR.

 

Die absoluten Raumkosten sind leicht gestiegen (v.a. die Miet-Nebenkosten); der Raumkostenanteil ist gesunken auf unter 4%. Auch die Ausgaben für Marketing und Werbung sind nach einer leichten Steigerung anteilig gefallen auf 0,8% vom Umsatz.

 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun -  Stand: April 2021

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun -  Stand: April 2021

Am Ende bleibt erheblich mehr übrig

Der Cashflow, Indikator für die Innenfinanzierung im Unternehmen und gefragte Kennzahl in Gesprächen mit Kapitalgebern, konnte bei den Betrieben gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um knapp die Hälfte gesteigert werden; 2020 beläuft er sich auf knapp 10% vom Umsatz. Das Betriebsergebnis wird absolut mehr als verdoppelt und erreicht umsatzanteilig 8,6 Prozent.

 

Weitere Kostenoptimierungen (gerade angesichts der enormen Verbesserungspotenziale, die sich im vergangenen Jahr zeigten) sowie die Überarbeitung von Sortimenten und Kalkulation sind weiterhin die unternehmerischen Kernaufgaben im Naturkostfachhandel.

 

Quelle: Branchen-Betriebsvergleich - Kommunikationsberatung Klaus Braun -  Stand: April 2021

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     Klaus Braun & Franca Lichti

 

 

 

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