Branchenreport: Corona und die Folgen in Bioläden

Aus wirtschaftlicher Sicht hat der Naturkostfachhandel von den Einschränkungen aufgrund der Pandemie in den letzten 2 Jahren profitiert und geht gestärkt aus der gesellschaftlichen Krise hervor. Die Frage, was sich außer den Umsatzzuwächsen verändert hat und welche Entwicklungen nachhaltig zu beobachten und erwarten sind, wollen wir anhand unserer Ergebnisse von Betriebsvergleich und Umsatzbarometer etwas genauer beleuchten.


Der Fachhandel mit Rekordumsätzen im Jahr 2021

Das Jahr 2020 war für die meisten Bioläden neben dem Stress infolge der ständig wechselnden Regelungen und Maßnahmen vor allem von starken Umsatzzuwächsen geprägt: Besonders die Zeit der Hamsterkäufe wird den Händlern auch wegen dem Umsatzplus von 32,1% im März und 24,1% im April noch länger in Erinnerung bleiben!

 

Doch auch im weiteren Jahresverlauf blieb das Wachstum auf hohem Niveau, die Branche profitierte besonders von der eingeschränkten Gastronomie und der zunehmenden Zahl an Arbeitnehmern im Homeoffice. Anstatt hin und wieder im Restaurant essen zu gehen oder sich zum Mittagessen etwas in der Gaststätte nebenan zu holen wurden viele Mahlzeiten in den eigenen vier Wänden eingenommen. Die Zutaten hierfür wurden im Einzelhandel besorgt und offensichtlich auch verstärkt in Bio-Qualität: Während der LEH sich über ein Wachstum von gut 11 Prozent (Quelle: Statista) freuen durfte, wuchs der Umsatz im Naturkostfachhandel laut dem Umsatzbarometer kumuliert um 16,4 Prozent.

 


Effektiver gearbeitet - und mehr verdient!

Betrachtet man die Ergebnisse aus dem Betriebsvergleich (in welchem auch Kosten- und Prozesskennzahlen ermittelt werden) etwas genauer, fällt auf dass die inhabergeführten Bioläden trotz der widrigen Umstände auch die eigene Kalkulation nicht aus den Augen verloren haben und ihre Handelsspanne von 34,6 Prozent in 2019 auf 35,4 Prozent verbessern konnten. Dies ist überaus erfreulich und folgt dem Trend der letzten Jahre, in welchem sich (zumindest die erfolgreichen) Bioläden weiter professionalisieren und die Erträge als Gegenwert für die von ihnen erbrachte Wertschöpfung optimieren.

Dies ermöglichte dann auch, die Mitarbeiter für ihre gute Arbeit zu belohnen und die Personalausgaben deutlich (absolut um 13,1%) zu erhöhen. In vielen Betrieben wurde die Möglichkeit der steuerfreien Corona-Sonderzahlungen genutzt, oft wurde darüber hinaus noch ein eigener Boni bezahlt. Auch wenn man als Angestellter in einem Bioladen auch weiterhin nicht wirklich reich werden kann, zumindest zeigt dieses Verhalten der Inhaber und Unternehmer doch sehr deutlich, dass sie durchaus gewillt sind ihre Mitarbeiter am gemeinsamen Erfolg zu beteiligen. Umsatzanteilig lagen die Kosten für Mitarbeiter am Ende bei 16,7 Prozent und damit etwas unter dem Wert von 2019.

 

Wenn Umsätze und Erträge stärker steigen als die Gesamtkosten führt das folgerichtig zu steigenen Gewinnen: Neben den aufgrund eines Rekord-Betriebsergebnisses von 8,5% ordentlich gefüllten Kassen können die Ladner aus dem Pandemie-Jahr auch die Erfahrung mitnehmen, dass unter passenden Bedingungen deutlich effektiver gearbeitet werden kann als bisher angenommen: Der durchschnittliche Umsatz pro rechnerischen Vollzeitkraft stieg auf über 170 Tsd. Euro, und damit um stattliche 16,5 Prozent. Die Unternehmer sollten also in jedem Fall prüfen, welche von den jetzt quasi erzwungenen Veränderungen (wie z.B. geänderte Schichten, Öffnungszeiten oder interne Abläufe) ggf. auch nach der Pandemie beibehalten werden können. Es kommen sicher auch wieder schlechtere Zeiten...


Umsätze staginieren in 2021 - kommt irgendwann die Krise?

All die positiven wirtschaftlichen Ergebnisse sollten den Blick auf die Gegenwart aber nicht zu euphorisch werden lassen: Im zweiten Quartal 2021 gingen die Umsätze, die ja nun mit dem in Pandemie-Zeiten erreichten Niveau verglichen werden, wieder um 2,1 Prozent zurück. Ein Grund zur Sorge ist das ganz sicher nicht, vielleicht eher ein Schritt in Richtung Normalität! Die Menschen gehen auch wieder in Restaurants und fahren in den Urlaub, das ist ja eigentlich etwas erfreuliches. Eine Frage ist aber auch, ob (und wann?) sich die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Corona-Maßnahmen zeigen und ob es den Bioläden in dieser Unsicherheit nicht auch einfach gut tun würde, die in 2021 zusätzlich erwirtschafteten Gelder einfach als "Rücklage" und "Invesitionsmasse" für schlechtere Zeiten sehen sollten. Klar ist aber, dass der Fachhandel sich weiterhin in Konzept und Sortiment deutlich von den wachsenden Bio-Angeboten im LEH abgrenzen muss, um seine wertvolle Nische am Markt auch in Zukunft zu behaupten!


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